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Zwölf Zimmer

Short Story ab 12 Jahren 11 Kapitel11.966 Wörter ~60 Min. Lesezeit 🤖 KI-generiert
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Über diese Geschichte

Elf Kurzgeschichten, elf Zimmer, über Kontinente und Jahrzehnte hinweg. Ein großer Saal bei einem Erbessen, ein grünes Badezimmer in einer aufzulösenden Wohnung, eine Küche nach einem Todesfall, ein verbotenes Arbeitszimmer, ein norwegischer Dachboden, ein Istanbuler Hotelzimmer in einer Wahlnacht, ein Kölner Klassenzimmer, ein nächtliches Radiostudio in Leipzig, ein Krankenhauswarteraum, ein schwäbisches Gewächshaus im Februar und ein letztes Zimmer, an das sich jemand mit Demenz noch erinnert. Karim Abela sammelt Räume wie andere Fotografien: nicht als Beweis, sondern als Angebot, einen Moment lang zu verweilen. Eine literarische Sammlung über das, was in Wänden bleibt.

Kapitel

Der Saal Mit Der Langen Tafel

Das Schloss lag oberhalb der Mosel, und an dem Samstag im Juli 1974, an dem wir uns dort zum Erbessen versammelten, waren die Fenster des Saals so weit geöffnet, dass der Wind die schweren Vorhänge in den Raum hineindrückte, als schiebe jemand von außen gegen die Wände. Ich war sechzehn und trug eine Krawatte, die mir mein Onkel geliehen hatte, ein schmaler blauer Streifen mit silbernen Rauten, der nach Pfeifentabak roch und nach irgendeinem Kölnisch Wasser, das vielleicht sein Vater verwendet hatte, bevor er den Laden aufgegeben und sich in Koblenz zur Ruhe gesetzt hatte, wo er dann gestorben war, und wo wir nun saßen, sechsundzwanzig Menschen an einer Tafel, die für vierzig gebaut worden war.

Die Tafel war aus Nussbaum. Das sagte der Notar, bevor er die Suppe aß. Er sagte es so, wie man von einem Tier spricht, das man früher einmal besessen hat. Nussbaum, massiv, drei Meter sechzig, aus dem Jagdhaus in Vallendar, das 1962 abgerissen worden war, um Platz für die Umgehungsstraße zu schaffen. Der Tisch hatte den Abriss überlebt, weil mein Großvater am Tag der Zerlegung mit zwei Männern und einem Lastwagen erschienen war. Das war eine Geschichte, die im Laufe des Nachmittags mindestens dreimal erzählt wurde, und jedes Mal wurde mein Großvater ein bisschen zielstrebiger und die beiden Männer ein bisschen stummer, bis es am Ende so klang, als hätte er den Tisch allein in den Wagengehoben.

Meine Tante Edeltraud saß mir gegenüber. Sie war die älteste der Geschwister und hatte den Krieg in einem Keller in Lüttich verbracht, wo sie, wie sie bei Familienfeiern zu sagen pflegte, das Beten verlernt hatte. An diesem Tag sagte sie es nicht. Sie sagte ohnehin wenig. Sie schaute auf das Besteck, das vor ihr lag, und rückte den Dessertlöffel ein kleines Stück nach rechts, dann wieder nach links, wie man jemanden umbettet, der Schmerzen hat.

Der Saal hatte einen Kronleuchter, in dem zwei Glühbirnen fehlten, und an der Nordwand einen Kachelofen, der seit dem vorigen Winter nicht mehr angefeuert worden war, weil niemand wusste, ob der Schornstein noch zog. Über dem Ofen hing das Porträt einer Frau in einem lavendelfarbenen Kleid, die mich später, nachdem ich mehrfach zu ihr hinübergeschaut hatte, an niemanden mehr erinnerte. Das Schild unter dem Rahmen war auf Latein. Das Porträt gehörte, erfuhr ich irgendwann zwischen Fisch und Braten, gar nicht meinem Großvater. Es gehörte dem Schloss. Mein Großvater hatte das Schloss nicht besessen. Er hatte nur den Saal gemietet, an einem Tag im März, von dem niemand wusste, ob es geregnet hatte, und hatte dem Vermieter ein Telegramm hinterlassen, in dem stand, dass im Juli 1974 seine Beerdigung stattfinden solle, im Saal, mit Essen, und dass die Rechnung vom Notar beglichen werde. Reservierung seiner eigenen Trauerfeier, hatte mein Vater am Morgen gesagt, als er mich von der Straßenbahn abholte. So ein Mensch war er.

Ich weiß nicht, was ich an dem Nachmittag gegessen habe. Ich erinnere mich an den Wein, der jung war und kalt, und an das Brot, das aus einem Korb kam, der von Stuhl zu Stuhl gereicht wurde, und an das Geräusch, das das Besteck machte, wenn es jemand ablegte — das kleine, sehr konkrete Klirren, das durch

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Kapitel

  1. 1 Der Saal Mit Der Langen Tafel
  2. 2 Das Gruene Badezimmer
  3. 3 Die Kueche Nach Mitternacht
  4. 4 Das Arbeitszimmer Meines Grossvaters
  5. 5 Der Dachboden Ohne Namen
  6. 6 Das Hotelzimmer In Istanbul
  7. 7 Das Klassenzimmer Das Keiner Putzt
  8. 8 Ein Radiostudio Um Drei
  9. 9 Der Warteraum
  10. 10 Das Gewaechshaus Im Februar
  11. 11 Das Letzte Zimmer An Das Ich Mich Erinnere

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