Der Warteraum
Der Warteraum der inneren Medizin in der Uniklinik Frankfurt war in dem Jahr, in dem ich jede Woche dort saß, gelb gestrichen. Ein Gelb, das die Innenarchitekten vermutlich *freundlich* genannt hätten, aber das, wenn man vier Stunden darin verbracht hatte, wegen einer Terminverschiebung, zu einem Gelb wurde, das eher die Farbe von etwas sehr lange Stehendem war, Lampenschirmen vielleicht, die seit den Neunzigern nicht mehr abgestaubt wurden. An der Wand hing ein Poster mit einem Regenbogen über einer Landstraße. Das Poster war schief. Niemand hing es gerade, und ich hing es nicht gerade, weil es mir bei aller Zeit, die ich dort verbrachte, nicht zustand.
Meine Frau hatte Morbus Crohn, und wir kamen jeden Donnerstag. Das war unser Rhythmus von Februar 2018 bis November desselben Jahres. Donnerstagmorgens um acht betraten wir den Warteraum, und donnerstagmorgens um elf, spätestens halb zwölf, wurde sie aufgerufen, dazwischen lagen diese drei oder dreieinhalb Stunden, in denen ich auf einem der Stühle saß und sie auf dem Stuhl neben mir, oder manchmal auch lag, wenn es ihr nicht gut ging, quer über drei Stühle, den Kopf auf meinem Schenkel.
Der Warteraum war selten voll. Er war selten leer. Es gab einen Kreislauf von Leuten, der durch den Raum ging, und über die Monate begann ich, manche von ihnen wiederzuerkennen. Da war der alte Herr mit dem Kopftuch — nicht ein echtes