Das Gruene Badezimmer
Die Wohnung in Lübeck, die wir auflösen sollten, hatte drei Zimmer, ein Bad und eine Einbauküche aus den späten Siebzigern, in der die Schranktüren beim Öffnen ein Geräusch machten, als würde jemand in einem anderen Raum die Luft anhalten. Ich war mit Judit angereist, meiner Stiefschwester, die ich seit dem Tod unseres Vaters nur auf Beerdigungen und einmal in einem Café am Hamburger Hauptbahnhof gesehen hatte, wo wir uns über das Testament einer Großtante stritten, die uns beide überlebt hatte, obwohl sie schon 1988 ins Heim gekommen war. Die Tante war dann 2019 gestorben. Die Wohnung war das, was übrig blieb.
Wir hatten eine Woche Zeit. Der Makler kam am Montag. Am Samstagmorgen, als wir mit vier Kartons und einem Rollkoffer voller Zeitungspapier durch die Tür traten, sagte Judit, sie würde die Küche nehmen und das Schlafzimmer, wenn ich den Rest machte. Der Rest war das Bad und das Wohnzimmer und ein Zimmer, das sie *Abstellkammer* nannte und in dem sich in Wahrheit siebzehn Kartons Papiere stapelten, auf deren Deckeln jemand mit Filzstift Jahreszahlen notiert hatte — 1971, 1982, 1994, fehlt, fehlt, fehlt, 2003. Die *fehlt*-Kartons waren die, die mich beunruhigten.
Aber zuerst das Bad. Das Bad war grün. Nicht ein Grün, sondern mehrere Grüns, aufeinander abgestimmt auf eine Weise, die ich mir 1978 als modern vorstellen konnte und inzwischen als eine Art archäologisches
