Chapter

Der Saal Mit Der Langen Tafel

Das Schloss lag oberhalb der Mosel, und an dem Samstag im Juli 1974, an dem wir uns dort zum Erbessen versammelten, waren die Fenster des Saals so weit geöffnet, dass der Wind die schweren Vorhänge in den Raum hineindrückte, als schiebe jemand von außen gegen die Wände. Ich war sechzehn und trug eine Krawatte, die mir mein Onkel geliehen hatte, ein schmaler blauer Streifen mit silbernen Rauten, der nach Pfeifentabak roch und nach irgendeinem Kölnisch Wasser, das vielleicht sein Vater verwendet hatte, bevor er den Laden aufgegeben und sich in Koblenz zur Ruhe gesetzt hatte, wo er dann gestorben war, und wo wir nun saßen, sechsundzwanzig Menschen an einer Tafel, die für vierzig gebaut worden war. Die Tafel war aus Nussbaum. Das sagte der Notar, bevor er die Suppe aß. Er sagte es so, wie man von einem Tier spricht, das man früher einmal besessen hat. Nussbaum, massiv, drei Meter sechzig, aus dem Jagdhaus in Vallendar, das 1962 abgerissen worden war, um Platz für die Umgehungsstraße zu schaffen. Der Tisch hatte den Abriss überlebt, weil mein Großvater am Tag der Zerlegung mit zwei Männern und einem Lastwagen erschienen war. Das war eine Geschichte, die im Laufe des Nachmittags mindestens dreimal erzählt wurde, und jedes Mal wurde mein Großvater ein bisschen zielstrebiger und die beiden Männer ein bisschen stummer, bis es am Ende so klang, als hätte er den Tisch allein in den Wagen

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