Der Dachboden Ohne Namen
Der Bauernhof lag nördlich von Voss, in einem Tal, in dem der Winter früh kam und lange blieb, und das Haupthaus war rot gestrichen, wie die meisten Höfe in der Gegend, aber ein anderes Rot als die anderen, dunkler, eher braunrot, und ich überlegte, als ich im Oktober 2007 zum ersten Mal davorstand, ob das Rot wohl aus einer anderen Zeit stamme, einer früheren Besitzerzeit, oder ob Sigrid Halvorsen, der das Haus gehörte, bewusst ein Rot gewählt hatte, das nicht zu den anderen Höfen passte. Ich fragte nicht. Man fragt nicht gleich nach so etwas, wenn man bei einer einundachtzigjährigen Bauersfrau einzieht, um ein Buch zu schreiben, das sie einem erlaubt zu schreiben, aus Gründen, die ihr niemand weiter erklärt hat.
Sie gab mir das Zimmer oben links, über der Küche. Das war ein gutes Zimmer. Das Bett war breit, die Matratze hart, der Ofen im Flur, und durch das Fenster sah man den Hang und, an klaren Tagen, das Dach der Kirche von Oppheim im Tal. Der Dachboden lag am anderen Ende des Flurs, hinter einer niedrigen Tür, die ich am ersten Abend nicht bemerkte und am zweiten nur deshalb, weil Sigrid mich darauf hinwies. Sie sagte: *Dort ist der Speicher. Du kannst hineingehen, wenn du willst. Es gibt nichts Geheimes dort. Aber es ist kalt.* Sie sagte das mit einem Anflug von Lächeln, den sie ansonsten nicht verwendete, und ich merkte, dass sie über etwas lächelte, aber nicht über