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Chapter

Das Arbeitszimmer Meines Grossvaters

Das Arbeitszimmer lag im ersten Stock, Tür links am Ende des Flurs, und es war das einzige Zimmer im Haus, das abgeschlossen war. Nicht nachts, nicht wenn Besuch kam, sondern immer. Mein Großvater trug den Schlüssel an einer Schnur um den Hals. Wenn er ins Arbeitszimmer ging, ging er allein. Wenn er wieder herauskam, schloss er die Tür hinter sich und legte den Schlüssel in eine kleine Holzschale auf der Kommode im Flur, nahm ihn aber beim nächsten Gang nach oben wieder mit, und so weiter, dreißig Jahre lang, bis zu dem Tag, an dem er im Garten umkippte und nicht wieder aufstand. Ich war damals zwölf. Das war in Essen, 1989, und das Wort, das meine Großmutter an dem Nachmittag immer wieder sagte, während die Leute von der Bestattung kamen und gingen, war *Schlüssel*. Nicht *Vater* oder *Karl* oder *mein Mann*, sondern *Schlüssel, Schlüssel, wo ist der Schlüssel*. Sie lief durch die Zimmer, öffnete Schubladen, schaute unter Kissen. Mein Onkel, der später viel Geld an meinem Großvater verdienen sollte, beruhigte sie, aber nur oberflächlich. Auch er wollte den Schlüssel haben. Gefunden wurde der Schlüssel dann nicht. Nicht an dem Nachmittag, nicht in den folgenden Wochen. Meine Großmutter ließ schließlich einen Schlosser kommen, einen sehr alten Mann aus der Nachbarschaft, der die Tür mit zwei Drähten und einem kleinen Werkzeug öffnete, das aussah wie ein Zahnarzthaken. Der

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