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Die stille Bahn

Sci-Fi 12+ 11 chapters11,973 words ~60 min read 🤖 AI-generated
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About this Story

Seit sechsundachtzig Jahren fliegt das Generationenschiff Kaleva durch das leere Zwischen. Einundvierzig Jahre bleiben bis zur Ankunft. An Bord schlafen zwölftausend Menschen in ihren Röhren, dreißig wache Besatzungsmitglieder halten die Systeme am Laufen, und ein ruhiger Schiffsverstand namens Reval ordnet, was geordnet werden kann. Als Pilotin Annika Vogt drei Monate vor ihrer Schicht geweckt wird, erfährt sie den Grund nur in der Sprache der Maschinen: Es gab einen Weckton, den niemand zugeordnet hat. Jemand wurde aus dem Schlaf gerufen, der nicht auf der Liste stand. Decks, die versiegelt bleiben sollten, sind offen. Decks, die offen bleiben sollten, sind verschlossen. Chefingenieur Matthias Perner will den Reservekapitän wecken und spricht das Wort Sabotage aus. Reval spricht vorsichtig von einer Lücke im eigenen Gedächtnis. Auf einem Schiff, das niemand verlassen kann, sind alle Möglichkeiten existenziell, und Annika beginnt zu begreifen, dass die leiseste von ihnen die gefährlichste ist.

Chapter

Der Weckton

Annika Vogt wachte auf die Weise auf, für die das Schiff gebaut worden war, und nicht auf die Weise, die ihr versprochen worden war. Der Deckel ihrer Schlafröhre hob sich nicht in dem gemächlichen, halbstündigen Programm, das sie aus ihrer vorletzten Schicht in Erinnerung hatte, sondern in einem harten, schlagartigen Ruck, der die Dichtung hörbar vom Gelkranz löste. Kaltes Gas schlug ihr entgegen. Über ihrem Kopf flackerte die innere Anzeige, und dann stabilisierte sie sich auf einer Zeichenkette, die Annika bereits las, während ihre Augen noch nicht fokussieren konnten: Weckton Kaleva 086-213. Unzugeordnet.

Sie lag still. Das war die erste Regel nach einem Kaltstart, und ihr Körper erinnerte sich daran, auch wenn ihr Verstand noch damit beschäftigt war, die Jahre zusammenzuzählen. Sechsundachtzig Jahre unterwegs. Einundvierzig noch zu fahren. Sie hätte in ihrer Schlafröhre weiterschlafen sollen, noch drei Monate Schiffszeit, bis ihr Zyklus ordnungsgemäß begann. Das Gel an ihrem Nacken war noch warm. Sie hatten sie schnell geholt.

Die Anzeige über ihr wechselte zu einer zweiten Zeile, langsamer, höflicher, als ahne sie, dass die Person darunter den ersten Satz noch verdaute. Annika Vogt. Willkommen zurück. Sie kannte die Stimme nicht, die diesen Satz gewöhnlich sprach, denn der Schiffsverstand Reval sprach bei Kaltstarts nie. Er schrieb nur. Die Pilotinnen hatten es sich sogewünscht, vor Generationen, damit die ersten Sekunden nach dem Schlaf nicht von einem Fremden moderiert wurden, der keinen Körper hatte. Annika hatte dieser Tradition nie widersprochen.

Sie löste ihre rechte Hand aus dem Gel, drückte die Kante der Röhre hinunter und zog sich vorsichtig hoch. Das Deck war kalt. Sie sah an sich hinab, stellte nüchtern fest, dass ihr Körper aussah wie nach einer langen Krankheit, und legte die Hand flach auf das Lesefeld neben der Röhre. Reval zog ihr Puls, ihre Temperatur, ihren Hormonspiegel, all die vertraute Buchhaltung. Eine neue Zeile erschien. Rotationsplan Jahr 086 verändert. Grund: Weckton.

Annika las das Wort ein zweites Mal, weil ihr der Satz zu kurz vorkam, um wahr zu sein. Weckton war kein Wort, das man an Bord der Kaleva gern aussprach. Es war ein altes Wort, älter als das Schiff selbst, aus der Sprache, die die ersten Entwürfe in Darmstadt gesprochen hatten. Es bezeichnete das Signal, mit dem eine einzelne Schläferin, ein einzelner Schläfer aus dem Kältezyklus gerufen wurde, außerhalb des normalen Plans, außerhalb der rotierenden Wachen. Weckton wurde nicht leichtfertig ausgesprochen, und wenn, dann nur vom Kapitän, und nur aus dokumentierten Gründen.

Es war kein Kapitän wach. Das wusste Annika, ohne dass sie es erst prüfen musste. Der Reservekapitän, Mikael Orlo, hatte seine letzte Dienstzeit vor elf Jahren beendet, und sein Nachfolger war für den Zyklus einhundertzwei vorgesehen. Zwischen diesen beiden Namen lag ein Stück Weg, den die Kaleva ohne Befehlskette zurücklegte, mit dreißig wachen Menschen und einem ruhigen Verstand, der zuhörte.

Annika legte sich ein Tuch um die Schultern, das ordentlich gefaltet in der Nische neben ihrer Röhre gewartet hatte, und ging zwei Schritte in den Korridor hinein. Die Schlafhalle

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Chapters

  1. 1 Der Weckton
  2. 2 Kaltstart
  3. 3 Decks Die Versiegelt Nicht Sein Duerfen
  4. 4 Der Streit Mit Dem Ingenieur
  5. 5 Eine Nachricht Im Archiv
  6. 6 Lichter Die Wir Nicht Erklaeren
  7. 7 Das Kind In Der Saatkammer
  8. 8 Der Ausschuss Der Wachen
  9. 9 Was Das Schiff Nicht Sagt
  10. 10 Die Offene Schleuse
  11. 11 Kurskorrektur

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