Kaltstart
Das Kaltstart-Protokoll sah vor, dass man zunächst trank, dann aß, dann saß, dann sprach. Annika hielt sich daran, weil sie wusste, dass die Reihenfolge der Schritte klüger war als der Mensch, der sie zum ersten Mal durchging. Sie trank hundert Milliliter warmes Wasser mit Salz, aus dem kleinen Becher, der in der Nische unter der Konsole gewartet hatte, und sie spürte, wie die Flüssigkeit ihre Wände neu auskleidete, Ebene um Ebene. Sie aß einen Riegel aus Amaranth und Datteln, der schmeckte, wie alles an Bord schmeckte, nach Vorsicht. Sie setzte sich auf die schmale Bank neben der Röhre und zählte dreihundert Atemzüge, so wie es der Pilotinnenkodex empfahl, den ihre Vorgängerin ihr vor einundzwanzig Jahren übergeben hatte.
Als sie aufstand, waren ihre Knie weniger fremd. Sie zog die Schlafbekleidung aus, die auf der Haut klebte, und tauschte sie gegen den einfachen grauen Anzug, den die Pilotenschicht trug. Der Stoff war neu, der Schnitt war alt. Kein Kleidungsstück an Bord war mehr als drei Zyklen gebraucht worden, bevor es recycelt wurde, und doch sah der Anzug aus wie der, den ihre Mutter getragen hatte, als sie vor vierundzwanzig Jahren zum letzten Mal wach gewesen war.
Annika ging den kurzen Korridor entlang und in den Querkanal, der Deck Sechs mit der Hauptachse verband. Die Schwerkraft war hier etwas leichter, weil der Hauptring der Kaleva nicht perfekt rotierte und
