Der Streit Mit Dem Ingenieur
Sie fanden Lina Okoye nicht im Brückenkranz, sondern im Gärtchen, wie alle an Bord die kleine Kammer auf Deck Vier nannten, in der ein halbes Dutzend Pflanzen wuchs, die keinen praktischen Zweck erfüllten. Ein Rosmarin, zwei Oleander, eine kränkliche Eiche aus Samen von einem Hof in Mecklenburg, ein rotblühender Hibiskus. Lina saß mit den Ellenbogen auf den Knien vor dem Oleander und hatte die Augen geschlossen. Als sie Annika und Matthias in die Tür treten hörte, öffnete sie sie, sah kurz zur Decke, als wollte sie sich eine Notiz machen, und stand auf.
„Annika", sagte sie. „Gut."
Lina war einer der ältesten Wachen auf der Kaleva, nicht nach Jahren im Körper, sondern nach Jahren im Schiff. Sie hatte vier Zyklen hinter sich, was selten war, und sie hatte die Kultur des wachen Bordlebens so sehr in sich aufgenommen, dass ihre Bewegungen nie im Raum über sich selbst hinauszogen. Sie verschwendete keinen Millimeter. Sie stellte keine überflüssigen Fragen.
„Drei Siegel", sagte Annika, anstelle eines Grußes. „Kein Kapitän."
„Ich weiß."
„Und der Weckton?"
„Wir haben heute Morgen einen Zustandsscan gemacht. Sechsundzwanzig schlafende Bordbewohner in Röhren, deren Gelzustand leicht gestört ist. Das könnte alles und nichts sein. Die sechsundzwanzig liegen nicht nebeneinander, sondern verteilt auf sechs Decks. Keine Röhre ist offen."
„Eine war offen", sagte Annika. „Irgendwann."