Decks Die Versiegelt Nicht Sein Duerfen
Die erste versiegelte Tür lag auf Deck Elf, im Hinterviertel, wo die Saatkammern standen und wo das Schiff seinen wichtigsten, wortkargsten Vorrat an Leben lagerte. Annika und Matthias kamen durch die Serviceschleuse, die zu dieser Zeit nie bewacht war, weil niemand Deck Elf ohne Grund betrat. Der Gang war schmal, und auf jedem zweiten Plattenstoß hing eine blaue Ziffer, die die Deckhöhe angab. Die blauen Ziffern waren vor vierundsechzig Jahren vom Vorgänger des heutigen Frachtmeisters gemalt worden, in der Überzeugung, das Schiff bräuchte farbige Orientierung. Annika mochte die Ziffern.
Die Tür war wie alle anderen Türen in diesem Abschnitt. Grauer Stahl, matt, ohne Schmuck, mit einem runden Lesefeld in Hüfthöhe und einem Riegelrad darüber. Nur eine Sache war anders. Über dem Lesefeld leuchtete ein kleiner, gleichmäßiger roter Punkt. Annika trat näher heran. Sie kannte den roten Punkt nicht aus der Praxis, nur aus dem Pilotinnenkodex. Er bedeutete: Kapitänssiegel aktiv. Zugang nur durch aktiven Befehl.
„Ich habe es gestern gesehen und dachte, es sei ein Fehler", sagte Matthias. „Heute Morgen war es immer noch da."
„Welche Kammer?"
„Saatkammer B."
„Was ist drin?"
„Samen. Soweit ich weiß, die Hälfte unseres Reservegetreides. Winterweizen, Hirse, zwei Sorten Roggen, sechs oder sieben Altsorten, die wir nicht verlieren wollen."
„Und nichts, was man wegschließen müsste."