Die Offene Schleuse
Ingemar fand das Signal am Abend. Er fand es, weil er, wie Annika ihn gebeten hatte, alle Außenmessungen der letzten zwei Jahre neu durchgerechnet hatte, nicht nach den Parametern der Kaleva, sondern nach den Rohwerten der Sensorik. Die Kaleva hatte vier große Außenlauscher, die die Umgebung des Schiffes nach thermischen, elektromagnetischen und massegravimetrischen Abweichungen absuchten, und sie hatte sechsundzwanzig kleinere Einheiten, die die einzelnen Hüllabschnitte überwachten. Ingemar war durch die sechsundzwanzig gegangen, Sensor für Sensor, Stunde für Stunde.
„Hier", sagte er, als Annika und Matthias in die Kommunikationskammer kamen. Er hatte das Lesefeld um einen kleinen, kaum merklichen Ausschlag vergrößert, der auf dem Diagramm wie ein sanfter Hügel aussah. „Außenhüllsensor zwölf. Jahr 084, Zyklus 3, Schiffszeit 17:38. Vier Minuten vor der Setzung des ersten Siegels in Saatkammer B."
„Was misst Sensor zwölf?"
„Thermische Abweichung an der Hülle, vorderes Drittel des Hauptrings."
„Wie groß ist der Ausschlag?"
„Zwei Zehntel Kelvin. Null Komma zwei Grad Celsius."
„Was bedeutet das?"
„Es bedeutet, dass irgendetwas, das wärmer war als die Hülle, die Hülle an einer Stelle berührt hat. Und zwar kurz. Siebenundzwanzig Sekunden."
Matthias legte den Kopf schief. „Eine Mikrometeoritenberührung?"
„Nein. Mikrometeoriten hinterlassen einen Stoßimpuls auf der Schale, den