Chapter

Der Weckton

Annika Vogt wachte auf die Weise auf, für die das Schiff gebaut worden war, und nicht auf die Weise, die ihr versprochen worden war. Der Deckel ihrer Schlafröhre hob sich nicht in dem gemächlichen, halbstündigen Programm, das sie aus ihrer vorletzten Schicht in Erinnerung hatte, sondern in einem harten, schlagartigen Ruck, der die Dichtung hörbar vom Gelkranz löste. Kaltes Gas schlug ihr entgegen. Über ihrem Kopf flackerte die innere Anzeige, und dann stabilisierte sie sich auf einer Zeichenkette, die Annika bereits las, während ihre Augen noch nicht fokussieren konnten: *Weckton Kaleva 086-213. Unzugeordnet.* Sie lag still. Das war die erste Regel nach einem Kaltstart, und ihr Körper erinnerte sich daran, auch wenn ihr Verstand noch damit beschäftigt war, die Jahre zusammenzuzählen. Sechsundachtzig Jahre unterwegs. Einundvierzig noch zu fahren. Sie hätte in ihrer Schlafröhre weiterschlafen sollen, noch drei Monate Schiffszeit, bis ihr Zyklus ordnungsgemäß begann. Das Gel an ihrem Nacken war noch warm. Sie hatten sie schnell geholt. Die Anzeige über ihr wechselte zu einer zweiten Zeile, langsamer, höflicher, als ahne sie, dass die Person darunter den ersten Satz noch verdaute. *Annika Vogt. Willkommen zurück.* Sie kannte die Stimme nicht, die diesen Satz gewöhnlich sprach, denn der Schiffsverstand Reval sprach bei Kaltstarts nie. Er schrieb nur. Die Pilotinnen hatten es sich

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