About this Story
Mit Engeln im Himmel, mit Teufeln in der Hölle, und immer sie selbst geblieben - wie ist das möglich?!
Im Maisfeld
"Oma Yoli, du hast es gut, in so einem schönen Land geboren, und immer die Sonne!
Wart ihr jeden Tag schwimmen? Und in den Ferien brauchtet ihr bestimmt gar nicht verreisen. Erzähl doch mal mehr davon, immer hörst du gleich wieder auf!"
Die kleine Emi geht jetzt schon in die Schule. Sie war auch schon einmal auf Mallorca, und Oma Yoli war auch dabei - und die war so glücklich in der heißen Sonne. Aber warum erzählt sie so wenig von früher, von ihrem sonnigen Land und ihrer schönen Kindheit?
"Oh mein Gott, nicht schon wieder!" Oma Yoli atmet schwer. Sie schließt die Augen und sieht ein kleines, hungriges Mädchen, sitzend in einem nachlässig gepflegten Maisfeld irgendwo in der einsamen sonnenverbrannten Hochebene im Süden Ecuadors. Ihr Spielzeug hat sie immer dabei: Umherliegende Maiskolben und schmutziger Sand. "Was machst du hier, Yoli?" Erschrocken schaut sie auf, aber sie kennt diese Stimme, und Freude steigt auf - und ist doch gleich wieder verflogen. Ihre Mutter ist schon nicht mehr da, weitergegangen zu dem kleinen alten Holzhäuschen, in dem die Großeltern leben. Ohne ein weiteres Wort mit ihrem Töchterchen zu sprechen, ohne es in den Arm zu nehmen, es zu streicheln, es zu küssen. Obwohl sie so lange fort war.
Die Mutter ist oft lange fort - in einer ziemlich weit entfernten Stadt. Großmutter undGroßvater kümmern sich um das kleine Mädchen, so gut es möglich ist. Sie sind alt, und sie müssen das große Maisfeld bestellen und noch andere Arbeiten verrichten. Damit sie und ihr Enkelkind nicht noch mehr Hunger leiden müssen.
"Oma Yoli, wach auf, du wolltest mir doch erzählen!", mahnt Emi ungeduldig. Schweren Herzens fährt sie fort: "Oh ja, die Sonne war fast immer ganz oben am Himmel, und leckere Maiskolben mussten wir auch nicht kaufen, die lagen überall auf der Erde. Und du glaubst nicht, wie herrlich der süße Saft aus den Maispflanzen schmeckt!" "Oh wie schön!", freut sich Emi, "Da möchte ich auch hin, nimmst du mich später einmal mit?" Die Antwort bleibt aus - Emis Mutter ist gekommen und holt sie ab.
Oma Yoli schafft es nicht zurück in die Gegenwart: Sie sieht das kleine Mädchen noch immer im Maisfeld sitzen, es vermisst seine Mama. Obwohl die Großeltern mit Liebe alles geben, wozu sie imstande sind - selber geschunden vom Leben: Großmutter als eingeborene Indianerin weit unten in der von Großgrundbesitzern beherrschten Hierarchie, Großvater kaum bessergestellt als Flüchtling aus dem verarmten Spanien des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.
Die Jahre vergehen - und auch hier, in der Einsamkeit nahe dem Urwald, sollten Kinder irgendwann in die Schule gehen und lernen - um später vielleicht einmal glücklich zu sein.
Der Schulweg ist lang. Die Nacht ist kaum beendet, da muss sie sich schon auf den beschwerlichen Fußmarsch machen, allein. "Und achte auf die Schlangen", warnt der Großvater, "die sind nicht alle harmlos." Als sie in der Schule ankommt, ist sie immer erschöpft und hungrig. Oft lachen die anderen Kinder sie aus: "Indiana! Indiana!", rufen sie. Aber warum ist das zum Lachen? Sie möchte
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