About this Story
Die Geschichte des Hamsters der hinter dem Bankschalter saß.
Der Hamster hinter dem Bankschalter
Der Hamster
spielte als Kind Cowboy und Indianer. Er wollte immer bei den Indianern sein. Ein paar Jahre später spielten seine Kumpels mit Büstenhalterverschlüssen, aber er wollte immer noch Indianer sein. Er versuchte es bei den Jüngeren, aber die spielten Pokemon. Der Hamster lieh sich in der Erwachsenenabteilung der Städtischen Bücherei alles aus, was über Indianer geschrieben wurde und gründete einen Indianer-Revival-Club. Jeden Sonntag trafen sie sich mit nacktem Oberkörper auf einer besitzerlosen Wiese und sprachen über das Verhältnis der Indianer zur Erde, den Tieren und den Pflanzen. Mit der ursprünglichen Absicht, weiterhin Indianer zuspielen, was für ihn damals nur darin bestand, die Cowboys mit Beil, Pfeil und Bogen zum Rückzug zu zwingen, hatte dies alles natürlich nichts mehr zu tun. Es war aber für ihn die einzige Möglichkeit, als Erwachsener noch Indianer zu sein.
Der Club bekam bald Zuwachs von einem
abtrünnigen Flügel der Nudisten, die die
Gleichmacherei satt hatten und in dem
Kopfschmuck aus Federn der hiesigen Vogelwelt
einen Schritt zur Individualisierung sahen, der ihrem
Gelöbnis, auch bei kaltem Wetter ständig Pimmel
und Muschi zu zeigen, nicht im Wege stand.
Die Männer sprachen über die sanfte Pferde-
erziehung, die Spezies erhaltende Jagd, die Frauen
tauschten Erfahrungen über Waldfrüchte aus,
versuchten haltbare Kleidungsstückeherzustellen
und machten nachts im Tipi die Beine breit.
Es blieb eben nicht aus, dass gewisse
bürgerliche Gewohnheiten auch ins Indianerleben
mit hinübergerettet wurden.
Die Obrigkeit nahm kaum Notiz von diesen
Hamster-Clubs. Sie erhielten als eingetragene
Vereine sogar Subventionen.
Die erste beunruhigende Aktion war ein Überfall
berittener Indianer auf einen Supermarkt, inszeniert
von einer radikalen Stadtindianer-Gruppe. Die
Kunden glaubten an einen der neuen Westernfilme
und feuerten die halbnackten, allesamt mit
Kriegsbemalung versehenen Hamster auch noch an.
Die Beute sollte eine Flugreise ins Land ihrer
ausgerotteten Blutsbrüder finanzieren.
Da die Burschen allesamt ein bombenfestes Alibi
vorweisen konnten -sie wären gemeinsam in einem
anderen Bundesland auf Bärenjagd gewesen -und
aus Angst vor Sympathiekundgebungen anderer
unzufriedener Bevölkerungsschichten, wurde der
Vorfall vertuscht.
Ausser den Profi-Indianern, die es geschafft hatten, ein authentisches Indianerleben zu führen und sich
dem Geld-Wirtschaftssystem völlig entzogen hatten,
gab es inzwischen die Urlaubs-Indianer, die ihre
gesetzlich vorgeschriebene Jahres-Erholungszeit
nicht mehr mit Last-Minute-Flügen vergeudeten,
sondern einen Aufenthalt in den immer
ausgedehnteren Indianergebieten vorzogen. Die
Nachfeierabend-Indianer, deren eigentliches Leben,
nämlich das des Indianers, nach Büroschluss
begann, und schliesslich eine statistisch kaum
erfassbare Anzahl von Sponti-Indianern, die sich
plötzlich während der Arbeitszeit ihre
Arbeitsuniform herunterriss, worunter ein echter
Indianerkörper zum Vorschein kam.
Da die Zensur vollauf mit dem neu aufgekommenen
Schwulen-Theater beschäftigt war, ging der folgende Rechtsstreit unbehelligt durch die Medien:
Ein
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