Über diese Geschichte
Dresden, Frühjahr 1941. Zdenka Kocourková ist vierunddreißig Jahre alt und führt eine kleine Personenfähre über die Elbe, eine Lizenz, die sie von ihrem Vater geerbt hat, zusammen mit dem Boot, den Ruderdollen und der Gewohnheit, den Fluss an seinem Geruch abzulesen. Das Reich ist im zweiten Kriegsjahr. Die Behörden lassen die kleinen Fähren in Ruhe, weil sie sie für zu unbedeutend halten, und eben deshalb beginnt ihr altkatholischer Pfarrer, ein böhmischer Exil-Geistlicher, in einem Gespräch, das nicht ganz eine Frage war, ihr Fahrgäste zu schicken, die nichts mit sich führen außer den Händen in den Taschen. Dies ist die stille Geschichte ihres ersten Jahres in einem Widerstand, zu dem sie sich nicht gemeldet hat: die Gesichter, die sie sich nicht zu nennen lernt, die Angst, die zu einer Art Witterung wird, ein Vetter in der falschen Uniform, ein Leichnam, aus dem Wasser gezogen zu einer Stunde, zu der niemand auf der Elbe sein sollte, und schließlich eine Winterüberfahrt, die sie den Rest ihres Lebens nicht vergessen wird. Ein geduldiger, genauer Roman über das kleine moralische Rechnen unter der Besatzung.


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