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Der Hamster

Novella 0 — ohne Altersbeschränkung 1 Kapitel648 Wörter ~4 Min. Lesezeit
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Über diese Geschichte

Die Geschichte des Hamsters der hinter dem Bankschalter saß.

Kapitel

Der Hamster hinter dem Bankschalter

Der Hamster

spielte als Kind Cowboy und Indianer. Er wollte 
immer bei den Indianern sein. Ein paar Jahre später spielten seine Kumpels mit
 Büstenhalterverschlüssen, aber er wollte immer
 noch Indianer sein. Er versuchte es bei den Jüngeren,
 aber die spielten Pokemon. Der Hamster lieh sich in
der Erwachsenenabteilung der Städtischen Bücherei
 alles aus, was über Indianer geschrieben wurde und
 gründete einen Indianer-Revival-Club. Jeden
 Sonntag trafen sie sich mit nacktem Oberkörper auf
 einer besitzerlosen Wiese und sprachen über das 
Verhältnis der Indianer zur Erde, den Tieren und den 
Pflanzen. Mit der ursprünglichen Absicht, weiterhin 
Indianer zuspielen, was für ihn damals nur darin
bestand, die Cowboys mit Beil, Pfeil und Bogen zum 
Rückzug zu zwingen, hatte dies alles natürlich nichts 
mehr zu tun. Es war aber für ihn die einzige 
Möglichkeit, als Erwachsener noch Indianer zu sein.

Der Club bekam bald Zuwachs von einem 
abtrünnigen Flügel der Nudisten, die die
 Gleichmacherei satt hatten und in dem
 Kopfschmuck aus Federn der hiesigen Vogelwelt
 einen Schritt zur Individualisierung sahen, der ihrem
 Gelöbnis, auch bei kaltem Wetter ständig Pimmel
und Muschi zu zeigen, nicht im Wege stand.
Die Männer sprachen über die sanfte Pferde-
erziehung, die Spezies erhaltende Jagd, die Frauen 
tauschten Erfahrungen über Waldfrüchte aus,
 versuchten haltbare Kleidungsstückeherzustellen
 und machten nachts im Tipi die Beine breit.
Es blieb eben nicht aus, dass gewisse
 bürgerliche Gewohnheiten auch ins Indianerleben
mit hinübergerettet wurden.

Die Obrigkeit nahm kaum Notiz von diesen
 Hamster-Clubs. Sie erhielten als eingetragene
Vereine sogar Subventionen.
Die erste beunruhigende Aktion war ein Überfall
 berittener Indianer auf einen Supermarkt, inszeniert
 von einer radikalen Stadtindianer-Gruppe. Die
 Kunden glaubten an einen der neuen Westernfilme
 und feuerten die halbnackten, allesamt mit
 Kriegsbemalung versehenen Hamster auch noch an.
 Die Beute sollte eine Flugreise ins Land ihrer
 ausgerotteten Blutsbrüder finanzieren.
Da die Burschen allesamt ein bombenfestes Alibi
 vorweisen konnten -sie wären gemeinsam in einem
 anderen Bundesland auf Bärenjagd gewesen -und
 aus Angst vor Sympathiekundgebungen anderer 
unzufriedener Bevölkerungsschichten, wurde der
 Vorfall vertuscht.
Ausser den Profi-Indianern, die es geschafft hatten, ein authentisches Indianerleben zu führen und sich 
dem Geld-Wirtschaftssystem völlig entzogen hatten,
 gab es inzwischen die Urlaubs-Indianer, die ihre
 gesetzlich vorgeschriebene Jahres-Erholungszeit 
nicht mehr mit Last-Minute-Flügen vergeudeten,
 sondern einen Aufenthalt in den immer 
ausgedehnteren Indianergebieten vorzogen. Die
 Nachfeierabend-Indianer, deren eigentliches Leben,
 nämlich das des Indianers, nach Büroschluss
 begann, und schliesslich eine statistisch kaum
 erfassbare Anzahl von Sponti-Indianern, die sich
 plötzlich während der Arbeitszeit ihre 
Arbeitsuniform herunterriss, worunter ein echter
 Indianerkörper zum Vorschein kam.

Da die Zensur vollauf mit dem neu aufgekommenen
Schwulen-Theater beschäftigt war, ging der folgende Rechtsstreit unbehelligt durch die Medien:
Ein

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