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Blutdurst

Dark Fantasy ab 12 Jahren 1 Kapitel3.512 Wörter ~18 Min. Lesezeit
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Über diese Geschichte

Vom Wasserfall von Nimrodel in die Schatten der Ewigkeit. Sie war einst eine scheue Waldelbin, die lieber sang, tanzte und das Rauschen der Wasser liebte, als den endlosen Kriegen ihrer Völker zu folgen. Doch Liebe und Verlust warfen sie in die Hände des Hexenkönigs – und machten sie zu etwas Neuem: der ersten Vampirin Mittelerdes. Zwischen Folter und Verführung, Trauer und Blutdurst, findet sie ihre Bestimmung: als Schattenwesen, das Rache nimmt an Elben, Menschen und allen, die für den ewigen Krieg verantwortlich sind. Jahrtausende später wandelt sie noch immer unter den Menschen, als Dämonin, Muse, Mythos – Lilith, Werwolf, Ewiger Jude. Immer wieder spinnt sie neue Legenden, um ihre Kinder der Nacht zu schützen. Doch tief in ihr lebt die Erinnerung an ihre große Liebe – und die Erkenntnis, dass selbst nach Jahrhunderten des Mordens ein Teil von ihr noch nach Liedern, Poesie und Trost verlangt. Ein epischer Roman voller Dunkelheit, Sehnsucht und Mythos – die Geschichte der Vampirin, die Mittelerde überdauerte.

Kapitel

Kapitel 1

Der Durst war unbeschreiblich. Er quälte sie bereits so lange, dass sie jedes Zeitgefühl verloren hatte. In unregelmäßigen Zeitabständen standen in ihrer Zelle Krüge mit Flüssigkeiten – Wasser, Wein, Fruchtsäfte –, doch wenn sie etwas zu trinken versuchte, überkam sie ein unwiderstehlicher Ekel, ein Brechreiz, der ihr die Galle durch Mund und Nase heraus trieb und sie zwang, sich schmerzerfüllt am Boden zu wälzen. In den Phasen dazwischen versuchte sie, sich in ihre Erinnerungen zu flüchten, aber selbst das gelang ihr nur selten.

Sie war so glücklich gewesen. Endlich, nach vielen Jahrhunderten, hatte sich der Geliebte entschlossen, ihrem Drängen nachzugeben. Stets hatte sie sich ihm verweigert, so sehr sie ihn auch begehrte. Sie ertrug es nicht, dieses ewige Kämpfen, den Krieg, die Schlachten. Als König von Lórinand, des »Blumen-Traumlandes«, war er seit vielen Jahrhunderten an maßgeblicher Stelle am Krieg gegen die Dunklen Horden beteiligt. Und sie wollte mit keinem jener Elben etwas zu tun haben, denen sie die Schuld an den dauernden Kriegen gab. Aber in ihn hatte sie sich verliebt, sich nach ihm gesehnt mit jeder Faser ihres Körpers, jedem Teil ihres Geistes, ihrer Seele. Und doch hatte sie ihm nicht nachgegeben – bis er nachgegeben hatte, sich entschlossen hatte, mit ihr gemeinsam Mittelerde zu verlassen.

Wie lange sie schon im Dunkeln gelegen hatte, wusste sie nicht.Ihre Augen wurden jeden Tag mit einer brennenden Substanz eingerieben, die ihr stundenlang die Tränen die Wangen hinabrollen ließ. Doch mit jedem Tag war das Brennen etwas weniger stark gewesen, und heute hatte sie zum ersten Mal gar keinen Schmerz bei der Prozedur verspürt. Wie immer in den letzten Monaten hatte sie sie über sich ergehen lassen, ohne sich zu wehren. Die ersten Male hatte sie es versucht, sich gesträubt, gekämpft mit all ihrer Kraft. Doch das Ergebnis was stets das Gleiche gewesen. Man hatte sie zusammengeschlagen, bis zur Bewusstlosigkeit. Irgendwann hatte sie die Gegenwehr aufgegeben.

Gegen das Ansinnen ihres Geliebten, sie zu ehelichen, hatte sie die Gegenwehr bis zu seinem Nachgeben aufrecht erhalten. Auch wenn er, der mächtige, schöne und kunstsinnige Elbenkönig, wohl fast jede Elbin hätte zur Gattin haben können, hatte er sich für sie entschieden, die scheue Waldelbin, die »Herrin der Weißen Grotte«, wie man sie nannte, die kaum einmal unter anderen Elben anzutreffen war. Am liebsten hielt sie sich mit ihrem Gefolge an jenem Wasserfall auf, den man, wie den Fluss darunter, nach ihr benannt hatte: am Nimrodel. Wenn es ihr gut ging und sie für einige Zeit das Schlachten und den Krieg vergessen konnte, sang sie und tanzte und war fröhlich mit ihren Gefährtinnen. Von den Hochelben aber hielt sie sich fern, denn diese waren in ihren Augen nicht weniger schuldig an den Kämpfen und Metzeleien als der ominöse dunkle Herrscher, von dem niemand genau wusste, wo er sich aufhielt und wie mächtig er war, und sein Vasall oder vielleicht auch Nachfolger, der Hexenkönig von Angmar.

Wie immer, wenn die Tür aufging, krümmte sie sich zusammen, voller Angst, was man ihr nun wieder antun würde. Dabei war es in letzter Zeit gar nicht so schlimm gewesen: keine Schläge

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