mehr, keine Folter mit ausgerissenen Fuß- und Fingernägeln, ausgeschlagenen Zähnen oder in Streifen abgezogener Haut. Das Schlimmste war gewesen, dass sie dies immer wieder hatten tun können. Irgendetwas in der roten dickflüssigen Pampe, mit der sie sie fütterten, sorgte dafür, dass ihre Wunden in kürzester Zeit heilten. Und das Trinken dieses Nahrungsbreis zu verweigern, wurde wie jede andere Gegenwehr gnadenlos unterbunden und bestraft. Sie hatte das schon lange aufgegeben.
Sie blinzelte erstaunt. Irgendetwas war anders als sonst. Noch nie hatte sie hier etwas gesehen, nie auch nur einen Schimmer von Licht wahrgenommen. Ihre Peiniger waren unsichtbare, riesenhafte und grausame Gestalten gewesen. Doch nun, zum ersten Mal, seit sie hier war, konnte sie einen Schimmer erkennen, der von der geöffneten Tür ausging. Dort war die Dunkelheit nahezu so undurchdringlich wie in ihrer Zelle, doch eben nur nahezu. Und während sie vor Erstaunen darüber, diesen Unterschied wahrnehmen zu können, nach Luft schnappte, hörte sie den dunklen Schatten, der sich von der Schwärze in der Türöffnung abhob, sagen: »Bald bist du bereit.«
Sie hatten vorgehabt, von Edhellond aus nach Aman zu fahren, Mittelerde für immer hinter sich zu lassen, den Krieg, das Leiden, die Irren und Wirren des elbischen Lebens in dieser Welt, die immer mehr beherrscht wurde von dunklen Mächten, in der auch die, die glaubten oder vorgaben, auf Seiten des Guten zu kämpfen, immer wieder und immer mehr verführt wurden und oft zu Mitteln griffen, die sich nicht allzusehr von denen jener unterschieden, gegen die sie kämpften. Sie wollten sich all dem entziehen, ihr Glück finden auf der Insel der Mächtigen. Doch auf dem Weg von Fangorn nach Belfalas, zu jenem kleinem Elbenhafen Edhellond, wurden sie getrennt.
Die