About this Story
Ein Drache. Ein Einhorn. Eine Liebe gegen die Tyrannei. Bleuel, ein blauer Drache, hat den Mut verloren. Verletzt und gezeichnet von der Herrschaft des Roten Königs, versteckt er sich in seiner Höhle – bis er Rosa begegnet, einem Einhorn, das aus Gefangenschaft geflohen ist. Was als Begegnung zweier Fabelwesen im Mondlicht beginnt, wird zur Hoffnung für ein ganzes Reich. Gemeinsam mit Rebellen stellen sie sich der Brutalität der roten Drachen, wagen den Aufstand – und finden dabei mehr als nur Freiheit: Sie finden Vertrauen, Freundschaft und eine Liebe, die Grenzen zwischen Arten überwindet. Ein episches Märchen voller Magie, Abenteuer und Gefühl – über den Mut, sich zu erheben, und die Kraft, die entsteht, wenn zwei Welten eins werden.
Kapitel 1
Bleuel drehte sich mehrfach im Kreis, bis er bequem lag. Er wollte wieder einschlafen. Der helle Fleck vor seiner Schnauze an der Höhlenwand zeigte ihm, dass es draußen noch hell sein musste.
Er fragte sich, warum er schon aufgewacht war. Im Laufe der Jahre hatte er seinen Schlafrhythmus so angepasst, dass er erst nach Sonnenuntergang erwachte. Er hob den Kopf und schaute auf die kleine Öffnung oben in der Decke, durch die der Sonnenschein an die Höhlenwand fiel. Es waren mindestens noch zwei Zeiteinheiten, bis die Sonne unterging. Die konnte er noch gemütlich verschlafen.
Ein Geräusch ließ ihn aufschrecken. Das leise »Flapp-Flapp« von Drachenflügeln. Das war es wohl auch, was ihn aufgeweckt hatte. Was sollte das bedeuten? War man ihm auf die Spur gekommen?
Leise erhob sich der Drache auf seine vier Beine und schlich zum Höhleneingang. Ein Blick durch das Spähloch zeigte ihm, dass über dem kleinen Wäldchen jenseits des Baches drei rote Wachdrachen kreisten. Sie schienen etwas zu suchen, konnten aber offenbar die Baumwipfel nicht mit ihren Blicken durchdringen. Sie erschienen ihm eher unerfahren, kleiner als er selbst. Wenn einer der alten Feuerspucker dabei gewesen wäre, dann hätte der vielleicht den ganzen Wald abgefackelt. Die drei aber waren dazu wohl weder in der Lage, noch wären sie entschlossen genug gewesen.
Bleuel beobachtete sie, bis die Sonne sich hinter die Hügelsenkte und die drei Wächter ihre Suche aufgaben und davonflogen. Dann schob er vorsichtig die kunstvolle Schiefertür zur Seite und sich selbst durch den schmalen Eingang der Höhle, brachte die Steinplatte wieder davor an, sodass niemand mehr das Loch erkennen konnte, und lief leise den gewundenen Weg entlang, der ihn durch das tarnende Gehölz und Gebüsch führte. Es hatte ihn einige Mühen und viel Zeit gekostet, seine Höhle so zu verbergen, dass sie weder von oben noch von vorne zu entdecken war.
Auch wenn er voller Spannung und Neugier war, würde er nichts riskieren, indem er durch das Gehölz brach. Die Zeit, seinem labyrinthischen Pfad zu folgen, musste er sich nehmen.
Auf der freien Steppe angekommen, breitete er die Flügel aus und flog Richtung Wald.
Sie waren ihr auf der Spur gewesen und hätten sie beinahe erwischt. Zunächst jedoch war sie in Sicherheit. Morgen aber würden sie wahrscheinlich mit Verstärkung wiederkommen, das Wäldchen einkreisen und vielleicht sogar niederbrennen. Rosa hatte gesehen, was die großen roten Drachen anrichten konnten. Gegen deren Feuerlohe hatte sie keine Chance, und auch dieser grüne Wald würde den Flammen nicht lange widerstehen, trotz seiner kraftstrotzenden Bäume und des Bachlaufs, der durch ihn hindurchführte. Sie würde weiter fliehen müssen.
Zunächst aber musste sie sich ausruhen; sie war den ganzen Tag gelaufen. Als Wesen des Waldes, der grünen Ebenen und bunten Blumen-wiesen war sie das langsame Streifen durch die Landschaft gewohnt; sie war kein Rennpferd, wie es die Menschen züchteten. Und ihre Gefangenschaft hatte sie geschwächt. Immerhin hatte sie in den drei Tagen seit ihrer Befreiung genug Futter gefunden. Die Hochebene voll wunderbaren Grases, durch die sie zuletzt gelaufen war, stand voller herrlicher Blumen; immer
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