Cover of Die letzte BibliothekComplete

Die letzte Bibliothek

Speculative & Dystopia 12+ 3 chapters2,240 words ~12 min read 🤖 AI-generated
Sign in to rate this story.

About this Story

Im Jahr nach dem Lesegesetz ist es illegal, ein gedrucktes Buch zu besitzen. Karim ist vierzehn, der Sohn einer ehemaligen Bibliothekarin, und seine Mutter hat ihn gerade gebeten, etwas zu tun, worum sie ihn noch nie gebeten hat — ihr zu helfen, die letzte Bibliothek zu verlegen.

Chapter

Nach Dem Lesegesetz

Es war kein Gesetz über Bücher gewesen.

Das Lesegesetz, zwei Jahre zuvor unterzeichnet, war als Maßnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit formuliert worden. Das Argument war gewesen, dass gedruckte Materialien — besonders ältere — ein Vehikel für ungeprüfte Informationen seien und dass zentralisierte, zertifizierte, bildschirmgestützte Quellen für die Bürger sicherer seien. Bücher seien, betonte das Gesetz, nicht verboten. Bücher seien lediglich abgewertet. Ein Buch zu Hause zu besitzen sei nicht, technisch gesehen, illegal. Bücher zu verbreiten — leihen, schenken, verkaufen — sei illegal. Eine Bibliothek zu betreiben sei illegal. Mehr als fünf Bücher zu besitzen sei illegal.

Das Ergebnis, in dem Land, in dem Karim wohnte, war dasselbe wie ein Verbot.

Im ersten Jahr des Gesetzes waren die öffentlichen Bibliotheken geleert worden. Ihr Bestand war verarbeitet worden — das meiste eingestampft, manches eingescannt und in das zertifizierte staatliche Archiv hochgeladen, wo der Zugang eine Genehmigung erforderte. Die Bibliothekarinnen waren umgeschult worden. Manche hatten neue Stellen bekommen. Manche nicht.

Karims Mutter, Frau Halpern, war nicht umgeschult worden. Sie war dreiundzwanzig Jahre lang Kinderbibliothekarin gewesen. Sie hatte die ihr angebotene neue Stelle im zertifizierten Archiv höflich, schriftlich abgelehnt. Sie hatte ihre Abfindung genommen und war nachHause gegangen. Sie hatte das erste Jahr des Gesetzes überwiegend in der Küche verbracht, Tee getrunken, aus dem Fenster gesehen. Karim war damals zwölf gewesen und hatte es nicht ganz verstanden.

Er verstand es jetzt besser. Er war vierzehn. Er hatte im vergangenen Sommer das letzte gedruckte Buch fertiggelesen, das die Familie legal behalten durfte. (Seine Mutter hatte ihre Regale auf die fünf erlaubten Bände reduziert. Die anderen neunzig waren — leise, über Monate — in andere Haushalte gegangen. Wohin genau, war Karim nicht gesagt worden.)

Im April setzte sich seine Mutter mit ihm an den Küchentisch.

„Karim. Ich möchte dir etwas sagen. Ich hätte es dir früher sagen sollen. Ich betreibe seit dem Jahr des Gesetzes eine kleine Bibliothek. Aus unserem Keller. Achtundvierzig Menschen in dieser Stadt nutzen sie. Wir treffen uns zweimal im Monat. Sie kommen mit Erlaubnisscheinen, die wie etwas anderes aussehen. Sie leihen ein Buch aus. Sie bringen es zurück."

Karim starrte seine Mutter an.

„Seit zwei Jahren?"

„Seit zwei Jahren."

„Mama."

„Ich weiß."

„Was passiert, wenn du erwischt wirst?"

„Ich verliere mehrere Jahre meine Freiheit. Ich weiß das, seit ich angefangen habe. Ich habe entschieden, dass es ein Risiko ist, das ich bereit bin einzugehen. Ich habe es dir nicht gesagt, weil ich nicht wollte, dass du das Geheimnis trägst. Du bist jetzt vierzehn. Du bist alt genug, es zu erfahren. Du bist auch alt genug — wenn du willst — zu helfen. Oder abzulehnen. Ich werde nicht böse sein, wenn du ablehnst."

Karim saß damit.

Er hatte — wurde ihm klar — gewusst. Nicht im Detail, sondern so, wie man Dinge im eigenen Haus weiß. Er hatte das Kommen und Gehen bemerkt. Er hatte die sorgfältig verpackten Päckchen bemerkt. Er hatte vage angenommen, dass seine Mutter Menschen mit

Keep Reading →


Chapters

  1. 1 Nach Dem Lesegesetz
  2. 2 Eine Lange Nacht Mit Einem Lieferwagen
  3. 3 Ein Buch In Der Tasche

Comments

Be the first to leave a comment.

Something went wrong

An unhandled error has occurred.

Reload the page to pick up where you left off.

Reload

Connection lost

Reconnecting to the server…

Reconnect failed. Trying again in seconds.

We couldn't reconnect to the server. Retry, or reload the page.

The session was paused by the server.

The session couldn't be resumed. Please reload the page.