Eine Lange Nacht Mit Einem Lieferwagen
Die zwei Erwachsenen, die seiner Mutter halfen, waren Herr Vogel, ein stiller alter Nachbar, den Karim sein ganzes Leben gekannt hatte, und eine Frau namens Iris, die Karim nicht kannte, die seine Mutter aber als *eine alte Freundin, die seit dem Anfang dabei ist* vorstellte. Sie kamen um halb zwölf in der Nacht in einem kleinen, unbeschrifteten Lieferwagen an.
Karim hatte nicht geschlafen. Er hatte in seinen Sachen auf dem Bett gelegen und auf den Wagen gewartet.
Seine Mutter weckte ihn mit einem sanften Klopfen. Sie trug eine dunkle Hose und einen dunklen Mantel. Sie reichte ihm Handschuhe.
„Zieh die an. Sprich auf der Straße nicht. Tu alles, was ich dir sage. Wenn du Panik bekommst, geh weg — geh nach Hause, schließ die Tür ab. Wir zwei können es ohne dich zu Ende bringen. Bring dich nicht in Gefahr."
„Okay."
Die vier gingen in den Keller hinunter.
Karim war seit sechs Monaten nicht mehr im Keller gewesen. Seine Mutter hatte — sah er jetzt — dort unten eine echte Bibliothek aufgebaut. Regale an drei Wänden, aus billigem Kiefernholz. Vielleicht vierhundert Bücher. Es waren nicht nur Kinderbücher. Es gab Romane, Geschichtsbücher, Sachbücher, Lyrikbände, Atlanten. Es gab eine kleine handgeschriebene Karteikartensammlung in einer Holzkiste mit — Karim sah es — einem etwas komischen Beschriftungssystem: *Abenteuer* und *Reale Welt* und *Schwere Bücher* und *Lustige Bücher*