Über diese Geschichte
Benehmen ist keine Glücksache
Benehmen ist keine Glücksache
Der Ballonfisch
arbeitete als Kulissenschieber in einem
Provinztheater. Die Ballonfischin war Sekretärin bei
einem mittelständischen Schrotthändler.
Sie hatten
eine schöne Mehrzimmerwohnung und ihr grösstes
Vergnügen war es, in mittelmässigen Restaurants
zu speisen und die dort bedienenden jungen
Aushilfskellner in hinterhältige Fallen zu locken.
Die Ballonfischin bestellte Fisch, der Ballonfisch ein
schwierig zu bereitendes vegetarisches Met.
Es dauerte lange. Sie schickten den jungen
Aushilfskellner mehrmals in die Küche hinunter
zum Nachfragen, wechselten des öfteren den Tisch
unter dem Vorwand einer Zugluft oder eines zu
kurzen Tischbeines und liessen sich jedesmal die
angefangenen Vorspeisen, Gläser und Flaschen
hinterherschleppen.
Nun hatte die Ballonfischin in ihrer abonnierten Frauenzeitschrift gelesen, dass man Fisch mit einem Fischmesser isst. Das Fischmesser ist ein klobiges, breites Ding, das der Gast hingelegt bekommt, wenn er Fisch bestellt.
Das Fischmesser gehört zu den vielen kleinen
Hindernissen, die dem Volk in den Weg gelegt
wurden, um es daran zu hindern, mit den Herrschaften zu speisen, denn es gehört schon ein
grosses Mass an Ungeschicklichkeit dazu, wenn
man es nicht schafft, den Fischbrocken mit einem
normalen Messer in den Hals zu befördern.
So ist es mit kaum zu unterscheidenden Wein- und
Wassergläsern, der Ausrichtung derBestecke auf
dem halbleergefressenen Teller, dem Handkuss, dem
Krawattenzwang, der Pfütze im Weinglas zum
Probieren... und einer Reihe nicht endenwollender
perfider Erfindungen, die aber heute nicht mehr dem
ursprünglichen Zwecke der Abgrenzung dienen,
sondern die Verfasser und Verleger von Benimm-
Büchlein, die Besitzer entsprechender Schulen und
die Herausgeber von Frauenzeitschriften bereichern,
indem sie dem Volk glauben machen, es könne sich
nach Abschluss dieser Kurse überall bewegen und
sich Zugang zu den begehrten Kreisen, die es nur
von den Fotos der Illustrierten kennt, auch ohne
Doktortitel und Grossgrundbesitz verschaffen.
Dabei müsste doch bekannt sein, dass man ab einem
Jaguar MK 11 mit Chauffeur und einem gewissen
Börsenerfolg schon immer bei Tisch furzen konnte.
Nun ist es kaum denkbar, dass eine Handvoll
Verleger und Autoren und sei es Madame
Rothschild selbst oder gar die Schreiberlinge der Regenbogenpresse den gemeinen Speiselokalbesucher zu derartigen Verrenkungen
zwingen können. Es ist hier auch die
Komplizenhaftigkeit der sternlosen
Restaurantbesitzer in Betracht zu ziehen. Was
animiert denn die Essengeher, eines dieser
Etablissements aufzusuchen und für teures Geld eine
mittelmässige Kost herunterzuschlingen, wenn sie
sich für einen Bruchteil des Preises und ohne
Benimm-Etikette bei Mac Do' einen Hamburger
reinpappsen können?
Mal einen Abend zeigen, was sie auf der
Benimmschule gelernt haben und so tun, als hätten
sie's nie anders gemacht!!!
Der Zugang zu den Fünfsterne-Einrichtungen bleibt
ihnen aus finanziellen Gründen ohnehin versagt. Es
hätte auch wenig Sinn, denn dort sind Tischabstände
von mehreren Metern vorgeschrieben und die
anderen Gäste würden gar nicht mitbekommen, ob
diese Feintuer an ihrem Tisch die

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