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Der Ballonfisch

Everyday Comedy ab 12 Jahren 1 Kapitel760 Wörter ~4 Min. Lesezeit
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Über diese Geschichte

Benehmen ist keine Glücksache

Kapitel

Benehmen ist keine Glücksache

Der Ballonfisch

arbeitete als Kulissenschieber in einem
 Provinztheater. Die Ballonfischin war Sekretärin bei
 einem mittelständischen Schrotthändler.
Sie hatten 
eine schöne Mehrzimmerwohnung und ihr grösstes
 Vergnügen war es, in mittelmässigen Restaurants
 zu speisen und die dort bedienenden jungen 
Aushilfskellner in hinterhältige Fallen zu locken.
Die Ballonfischin bestellte Fisch, der Ballonfisch ein
 schwierig zu bereitendes vegetarisches Met.
 Es dauerte lange. Sie schickten den jungen
 Aushilfskellner mehrmals in die Küche hinunter
 zum Nachfragen, wechselten des öfteren den Tisch
 unter dem Vorwand einer Zugluft oder eines zu
 kurzen Tischbeines und liessen sich jedesmal die
 angefangenen Vorspeisen, Gläser und Flaschen
 hinterherschleppen.

Nun hatte die Ballonfischin in ihrer abonnierten
 Frauenzeitschrift gelesen, dass man Fisch mit einem
 Fischmesser isst. Das Fischmesser ist ein klobiges,
 breites Ding, das der Gast hingelegt bekommt, wenn
 er Fisch bestellt.

Das Fischmesser gehört zu den vielen kleinen
 Hindernissen, die dem Volk in den Weg gelegt 
wurden, um es daran zu hindern, mit den Herrschaften zu speisen, denn es gehört schon ein
 grosses Mass an Ungeschicklichkeit dazu, wenn
 man es nicht schafft, den Fischbrocken mit einem
 normalen Messer in den Hals zu befördern.
So ist es mit kaum zu unterscheidenden Wein- und 
Wassergläsern, der Ausrichtung derBestecke auf
 dem halbleergefressenen Teller, dem Handkuss, dem
 Krawattenzwang, der Pfütze im Weinglas zum
 Probieren... und einer Reihe nicht endenwollender
 perfider Erfindungen, die aber heute nicht mehr dem 
ursprünglichen Zwecke der Abgrenzung dienen,
 sondern die Verfasser und Verleger von Benimm-
Büchlein, die Besitzer entsprechender Schulen und
 die Herausgeber von Frauenzeitschriften bereichern,
 indem sie dem Volk glauben machen, es könne sich
 nach Abschluss dieser Kurse überall bewegen und
 sich Zugang zu den begehrten Kreisen, die es nur
 von den Fotos der Illustrierten kennt, auch ohne 
Doktortitel und Grossgrundbesitz verschaffen.

Dabei müsste doch bekannt sein, dass man ab einem
 Jaguar MK 11 mit Chauffeur und einem gewissen
 Börsenerfolg schon immer bei Tisch furzen konnte.

Nun ist es kaum denkbar, dass eine Handvoll
 Verleger und Autoren und sei es Madame
Rothschild selbst oder gar die Schreiberlinge der Regenbogenpresse den gemeinen Speiselokalbesucher zu derartigen Verrenkungen
 zwingen können. Es ist hier auch die 
Komplizenhaftigkeit der sternlosen
Restaurantbesitzer in Betracht zu ziehen. Was
 animiert denn die Essengeher, eines dieser 
Etablissements aufzusuchen und für teures Geld eine
 mittelmässige Kost herunterzuschlingen, wenn sie
 sich für einen Bruchteil des Preises und ohne
 Benimm-Etikette bei Mac Do' einen Hamburger
 reinpappsen können?
Mal einen Abend zeigen, was sie auf der
 Benimmschule gelernt haben und so tun, als hätten
sie's nie anders gemacht!!!
Der Zugang zu den Fünfsterne-Einrichtungen bleibt
 ihnen aus finanziellen Gründen ohnehin versagt. Es
 hätte auch wenig Sinn, denn dort sind Tischabstände
 von mehreren Metern vorgeschrieben und die
 anderen Gäste würden gar nicht mitbekommen, ob
 diese Feintuer an ihrem Tisch die

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