Regeln einhalten
oder nicht.
Neben dem noch leeren Teller der Ballonfischin, der
das Fischgericht erwartete, lag also ein
Normalmesser. Als der Aushilfskellner ihr
vorschriftsmässig von rechts hinten das Fischstück
auf den Teller schob, hielt sie ihm das Normalmesser
mit spitzen Fingern wie einen schmutzigen, vollgefüllten Fromms entgegen. Der AushilfskelIner
verstand sofort und brachte ihr eilends ein
Fischmesser.
Das Essen war für ein mittelpreisliches Restaurant
geschmacklich und mengenmässig korrekt. Bei der
Rechnung bekam es der AushilfskelIner aber doch
zu spüren: Kein Trinkgeld, einige Bemerkungen, die
alle mit "Das ist doch..." begannen und die
versteckte Drohung, den Lokalbesitzer über sein
unprofessionelIes Verhalten zu informieren.
Da tat der AushilfskelIner etwas, was einem Profi
nie passiert wäre: Er warf den beiden Ballonfischen,
als sie schon an der Türe waren, das Fischmesser ins
Kreuz. Er traf sie zwar nicht - das stumpfe Ding fiel
scheppernd zu Boden - handelte sich aber unverzüglich die fristlose Kündigung ein.
Stinkzufrieden traten die Ballonfische den Heimweg
zu ihrer Mehrzimmerwohnung an. Schliesslich
hatten sie damals beim Schütteln des Arbeitsbaumes
ganz bewusst Kulissenschieber, beziehungsweise
Sekretärin gewählt und nicht so gefährliche Berufe
wie Pilot oder gar AushilfskelIner, wo menschliches
Versagen unabsehbare Folgen haben kann. Eine
verschobene Kulisse oder ein falsches Komma kann
auch eine Menge Ärger einbringen, aber nie so
schwerwiegende geselIschaftliche Konsequenzen haben, wie ein unvorschriftsmässiges Essbesteck.
Ermutigt durch ihren vortägigen Erfolg sprachen sie
am nächsten Tag beim Standesamt vor, um sich
offiziell als Herr und Frau Ballonfisch eintragen zu
lassen. Der arbeitende Beamte
