About this Story
Ein altes Haus. Ein dunkles Geheimnis. Eine Liebe, die nie zur Ruhe kommt. Nach einer Party verliert sich Romy in den Wäldern von Neuhemm – und steht plötzlich vor einem verfallenen Herrenhaus, das seit Generationen in Vergessenheit geraten ist. Dort trifft sie ausgerechnet auf Marek, den Jungen, der ihr Herz schon einmal gebrochen hat. Gemeinsam betreten sie das geheimnisvolle Gebäude – und lösen etwas aus, das längst hätte ruhen sollen. Bald überschneiden sich Vergangenheit und Gegenwart auf unheimliche Weise: Ein altes Klavier spielt wie von Geisterhand, Stimmen aus der Dunkelheit verlangen Vergeltung, und Romy erkennt erschrocken ihre eigene Ähnlichkeit mit einer jungen Frau aus längst vergangener Zeit. Während die Grenze zwischen Liebe und Verderben immer mehr verschwimmt, muss sie sich fragen: Kann man einem Menschen vertrauen, wenn selbst die Toten nicht vergeben? Das Geisterhaus ist eine atmosphärische Mischung aus Coming-of-Age, düsterer Liebesgeschichte und packendem Mystery-Thriller – voller Spannung, Sehnsucht und Gänsehautmomenten.
Chapter 1
Es war dunkel, als ich mit Anja die Party verließ, um mich auf den Heimweg zu machen. Unser Atem stieg in feinen Wölkchen zu den Baumwipfeln hinauf und ließ uns erahnen, wie der Wald nach dem ersten Schnee aussehen würde.
„Bist du sicher, dass ich nicht noch mit dir heim kommen soll?“, fragte Anja und schlang ihren Schal um den Hals.
Ich schüttelte den Kopf und griff nach ihrer Hand. „Nein“, sagte ich. „Ich bin tausend Mal im Dunkeln durch den Wald gegangen.“
Anja schien die Idee nicht zu gefallen. Sie knetete ihren Schal mit der freien Hand und sah auf den Boden. „Sicher?“
Ich musste lächeln. „Ganz sicher.“
Sie atmete zwei Mal tief ein und aus. „Aber du rufst mich an, wenn du zu Hause bist.“ Ich grinste und ließ ihre Hand los. „Wenn du dann zu sprechen bist.“
„Du bist blöd“, fauchte sie und drehte sich um. Mit hastigen Schritten eilte sie auf die schmale Straße zu, während ich in die andere Richtung schlenderte, ab und an in einen Laubhaufen trat und ein paar Blätter aufwirbelte, ihnen einen Augenblick beim Fallen zusah. „Grüß Tim von mir!“, rief ich noch, weil ich der Versuchung einfach nicht widerstehen konnte.
„Halt die Klappe, Romy!“
Lächelnd folgte ich dem schmalen Pfad, schlenderte an den jahrhundertealten Bäumen vorbei, die seit meiner Kindheit das einzige waren, das mir an Neuhemm gefiel und dachte über Anja nach. Schon seit Monaten lag sie mir mit Tim in denOhren und seit ein paar Wochen bekam ich sie kaum noch ans Telefon oder aus ihrem Zimmer heraus. Anja gab es ab sofort nur noch im Doppelpack.
„Anja und Tim“, murmelte ich und trat nach einem Blätterhaufen. „Tim und Anja.“
Ein Windstoß erfasste die halbgefrorenen Blätter und trug sie in die Dunkelheit. Einem Ziehen in der Magengegend folgend ging ich ihnen nach. Sie tanzten durch die Luft und schienen mich einzuladen, ihnen zu folgen. Schwerelos drehten sie sich und trieben weiter und weiter in den Wald, fort von meinem kleinen Pfad, fort vom Ort. Ich musste lächeln, während ich ihnen schneller und schneller hinterherlief. Ihr Tanz wurde heftiger und schneller, die Drehungen unkontrollierter und wilder- bis sie plötzlich erstarben und die feinen Blätter leblos auf den Boden sanken. Meine Augen folgten ihnen. Ein letztes Mal erzitterten sie in einer Windböe. Dann waren sie wie tot. Ich fröstelte. Die nächste Welle kalter Luft, die mich umspülte, erinnerte mich daran, dass ich eigentlich nach Hause musste. Ich blickte auf und sah mich um.
„Shit“, entfuhr es mir.
Ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Um mich herum waren nur Bäume in den wildesten Anordnungnen, es war dunkel und nicht eine Ecke schien mir bekannt zu sein. Die kleinen,
flackernden Laternen, die entlang des Waldpfades angebracht waren, waren nicht zu sehen. Obwohl ich wusste, dass es im Wald nie Empfang gab, zog ich mein Handy aus der Manteltasche und starrte hoffnungsvoll auf das Display. Dieses bestätigte mir nur die Uhrzeit und die Tatsache, dass ich im Nirvana der Mobiltelefone stand. Mitten in der Nacht. Allein.
Eine Panikattacke unterdrückend ging ich wahllos in eine Richtung, einfach nur um irgendetwas zu tun. Nicht einmal der Mond schien und das einzige Licht im Wald rührte vom gelegentlichen
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