Aufreißen der Wolkendecke. Jedes Geräusch wurde plötzlich lauter und hohler zugleich. Jeder meiner Schritte schickte ein Echo in die Welt. Mein Unterkiefer begann zu zittern, obwohl es kein bisschen kälter war als wenige Minuten zuvor. Egal, wie weit oder schnell ich ging, nirgends tauchte ein Anhaltspunkt darüber auf, wo ich mich befand oder wohin ich musste. Da waren nur meine Schritte und der Wind. Keuchend ging ich weiter. Tiefer in den Wald hinein oder aus ihm hinaus? Irgendwo vor mir teilte sich die Wand der alten Bäume. Es wurde heller. Ich beschleunigte meine Schritte, deren Knirschen immer lauter und bedrohlicher wurde. Doch anstatt auf der Straße, die zu meinem Haus führte, fand ich mich auf einer Art Lichtung wieder. Sie lag in vollkommener Stille und Dunkelheit; das Gras schwarz in der Finsternis. In der Mitte der Wiese zeichneten sich die Umrisse eines gewaltigen, mehrstöckigen Hauses ab, gesäumt von einigen waldfremden Bäumen, eisern umzäunt. Vor dem Tor stand eine Gestalt in der Dunkelheit, die ich erst erkannte, als ich näher kam.
„Marek“, entfuhr es mir.
Er rührte sich nicht und blickte weiter hinauf zum Giebel des Hauses. Anstatt seinen Blicken zu folgen, betrachtete ich Marek selbst. Seine Haare waren gewachsen, seitdem ich ihn das letzte Mal so genau angesehen hatte. Selbst in der Dunkelheit konnte ich erkennen, dass ihm seine schwarzen Locken längst in den Nacken hingen und sich auf seiner Nasenwurzel kringelten. Er musste mehr Sport treiben als noch vor einem Jahr. Er stand aufrechter, stolzer. Seine Figur war kräftiger geworden. Obwohl ich von seinen Augen nur das Glitzern sah, dass das gelegentliche Aufblitzen des Mondes verursachte, kannte ich den Ausdruck in ihrem kalten Blau.
„Marek“, sagte ich noch einmal. Er drehte sich um. „Romy.“
Etwas