Über diese Geschichte
Als der Quantenphysiker Jan Reiter ein Experiment zur Verschränkung durchführt, öffnet er versehentlich ein Fenster in eine Parallelwelt — eine Welt, die der unseren gleicht, aber in der die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hat. Doch das Fenster lässt sich nicht mehr schließen.
Das Experiment
Das Labor lag dreißig Meter unter der Erde, eingebettet in den Fels des Gotthard-Massivs, wo die kosmische Strahlung minimal war und die Temperatur das ganze Jahr über bei exakt 8,4 Grad Celsius lag. Jan Reiter hatte drei Jahre gebraucht, um die Finanzierung für diesen Ort zu bekommen, und zwei weitere, um die Ausrüstung zu installieren: einen Quantenverschränkungsgenerator der dritten Generation, empfindlich genug, um einzelne Photonen über Entfernungen von Kilometern zu korrelieren.
Das Experiment war einfach, zumindest in der Theorie. Jan wollte die Bell'sche Ungleichung mit einer Präzision testen, die um drei Größenordnungen über dem bisherigen Standard lag. Was er stattdessen fand, als er die Daten der ersten Messreihe auswertete, war eine Korrelation, die über hundert Prozent lag — ein Ergebnis, das nicht nur die Bell'sche Ungleichung verletzte, sondern die Grundlagen der Quantenmechanik selbst. Die verschränkten Photonen kommunizierten nicht nur miteinander; sie kommunizierten mit etwas anderem.
Am dritten Tag des Experiments materialisierte sich die Spiegelung. So nannte Jan sie, weil ihm kein besseres Wort einfiel. In der Mitte des Labors, zwischen den Detektoren, erschien eine Fläche — nicht fest, nicht flüssig, nicht gasförmig, sondern etwas Viertes, ein Zustand der Materie, den kein Lehrbuch beschrieb. Die Fläche war perfekt spiegelnd, aber sie reflektierte nichtdas Labor. Sie zeigte ein anderes Labor, identisch in der Anordnung der Geräte, aber mit subtilen Unterschieden: andere Beschriftungen, eine andere Beleuchtung, und an Jans Platz eine Frau, die ihm direkt in die Augen blickte.

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