Über diese Geschichte
Die Sonne geht unter – und mit ihr ein Geheimnis, das die Menschheit veränderte. Ein alter Mann erzählt seiner Urenkelin von einer Begegnung, die alles veränderte: von fremden Wesen, die der Erde einen Pillensender hinterließen – und damit die Menschheit zwangen, über Leben, Hunger und Verantwortung neu nachzudenken. Zwischen wissenschaftlichen Fakten, Visionen von Überbevölkerung und ökologischen Krisen entfaltet sich eine Erzählung, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verwebt. Es ist die Geschichte eines Zufalls, einer Entscheidung – und eines Vermächtnisses, das größer ist als Ruhm oder Macht. Eine Mischung aus Zukunftsroman, philosophischem Zeitdokument und warnender Parabel über Ressourcen, Gerechtigkeit und das Glück, Mensch zu sein.
Kapitel 1
Die Sonne ging unter. Der alte Mann in seinem Schaukelstuhl wusste, dass dies der letzte Sonnenuntergang seines Lebens sein würde. Doch er hatte gesagt, was ihm zu sagen blieb, und getan, was zu tun war. Der alte Mann war glücklich.
»Die Welt besitzt sowohl physikalisch als auch ökonomisch die Kapazität, genügend Nahrung zu produzieren, um Bedarfssteigerungen bis zum Jahr 2000 begegnen zu können. Im Durchschnitt wird die Weltnahrungsmittelproduktion voraussichtlich schneller anwachsen als die Weltbevölkerung. Verteilungsprobleme über die Regionen hinaus oder innerhalb derselben schmälern (jedoch) auch die hohen Wachstumsraten.«
Council on Environmental Quality, US-Außenministerium: GLOBAL 2000 – Der Bericht an den Präsidenten – Frankfurt 1980
»Meine Damen und Herren, es ist mir eine Ehre, hier vor dem größten Publikum zu sprechen, das ein Mensch je hatte. Alle Rundfunk- und Fernsehstationen der Welt übertragen diese Rede live, und ich hoffe, Sie nicht zu enttäuschen. Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen: die Geschichte, wie ich den Pillensender fand, den die besten Physiker unseres Jahrhunderts neunzig Jahre lang vergeblich suchten, und wie ich seine Funktionsweise enträtseln konnte. Doch es ist nicht meine Geschichte – es ist die Geschichte eines Mannes, der, solange ich ihn kannte, immer ein alter Mann war.«
»Nicht die nationale oder globale Bevölkerungszahlentscheidet über den Rationalisierungsgrad der Produktion, die Zusammensetzung des Kapitals und den Güterausstoß, sondern jener nie und nimmer frei zu nennende obskure Prozeß, der in idyllischer Sprachregelung immer noch Markt geheißen wird.«
Henrich von Nussbaum: Die Zukunft des Untergangs oder Der Untergang der Zukunft – in: Dennis L. Meadows u. a.: Wachstum bis zur Katastrophe? – Pro und Contra zum Weltmodell – München 1974
»Du bist also gekommen.« Der alte Mann stellte seine Kaffeetasse auf den Tisch und begann, seine Pfeife zu stopfen. Helen schwang sich auf das Holzgeländer der Veranda. »Paps schreibt mir eine Entschuldigung«, meinte sie, sich bequem zurechtsetzend, während sie den alten Mann beobachtete. »Dein Anruf klang so dringend, dass er mir sofort erlaubte, hier herauszukommen.«
Fasziniert beobachtete sie den langsam kreisenden Zeigefinger, der den Tabak gefühlvoll festdrehte – eine Bewegung, an die dieser Finger seit Jahrzehnten gewöhnt war; er hatte den Bogen schon lange raus, dem Tabak genau die richtige Festigkeit zu geben.
Durch die Glastür, die ins Wohnzimmer führte, trat eine grauhaarige Frau, stellte ein Tablett auf den Tisch und begann, das Geschirr darauf zu räumen.
»Es muss wichtig sein, was er dir erzählen will. Er hat’s so eilig gehabt, dass ich ihm sein Mittagessen eine ganze Stunde früher machen musste.«
»Es hat trotzdem geschmeckt«, lachte der alte Mann. »Du kennst ja Anna; wenn irgendwas nicht geht wie geplant, wird sie gleich nervös.« Er lächelte seine Haushälterin an. »Du bist eine Perle. Bitte leg doch Musik auf; irgendwas von Liszt.«
Als die ersten Takte der Faust-Symphonie auf die Veranda drangen und die Pfeife des alten Mannes zu seiner Zufriedenheit brannte, wandte er sich seiner Urenkelin zu.
»Ich möchte dir eine Geschichte

Melde dich an, um mitzudiskutieren.
Sei der Erste, der einen Kommentar hinterlässt.