About this Story
Sheeran lebt in einer unterirdischen Kolonie auf einem kleinen Planeten. Seine Aufgabe ist es, neue Wasservorkommen zu erschließen. Auf einer Oberfläche ohne Atmosphäre ist das eine Herausforderung. Auf seiner beinahe aussichtslosen Suche gerät er auf die andere Seite der Welt. Es ist eigentlich verboten, hinzureisen. Ein düsteres Geheimnis lauert dort seit Jahrtausenden und bedroht die Existenz der Kolonisten. Ist Sheeran stark genug für die Wahrheit? Ist die Menschheit stark genug?
Kurzgeschichte
Sheeran Merkator ging heute nicht zur Arbeit. Besser noch: Er durfte seine monatliche Stunde an der Oberfläche verbringen. Darauf freute er sich schon die ganze Woche. Seit die Menschen vor tausenden von Jahren diesen unwirtlichen Planeten kolonisiert hatten, lebten sie zum größten Teil in unterirdischen Höhlen unter vielen Metern dicken Gesteins. Es schützte sie vor der kosmischen Strahlung. Auf der Oberfläche unter den Glaskuppeln konnte man auf Dauer nicht leben. Der Planet besaß keine Atmosphäre. Die harte Strahlung aus dem Weltraum drang ungeschwächt bis zum Boden durch, durchdrang die Glaskuppeln und zerstörte das Erbgut. Die Menschen konnten keine Kinder mehr bekommen und entwickelten Geschwülste im Körper, die sich vermehrten. So stand es in den medizinischen Datenbanken.
Allerdings hatten die Wissenschaftler auch bewiesen, daß das Licht der Sonne eine positive Wirkung auf den Körper hatte, die man mit Kunstlicht nicht adäquat ersetzen konnte. Um beide Bedürfnisse – Schutz und Licht – unter einen Hut zu bringen, hatte man sich irgendwann auf diese eine Stunde pro Monat geeinigt.
Sheeran stieg zusammen mit einer Gruppe Menschen in den großen Fahrstuhl zur Oberfläche. Auch sie durften heute eine Stunde lang nach draußen. Wobei man 'draußen' als relativen Begriff auffassen mußte, denn sie bewegten sich nach wie vor unter einer Kuppel und atmeten die gleiche gefilterte Luftwie die anderen in der Tiefe.
Die Fahrt nach oben dauerte mehrere Minuten. Diese Aufzüge hatte man früher für den Transport von Lasten eingesetzt und sie fuhren viel langsamer als die Personenaufzüge unten in den Höhlen. Als sie oben ausstiegen, öffneten sich zeitgleich noch eine ganze Reihe anderer Aufzüge und spien ihre Passagiere in die Kuppel hinein. Die Kolonie besaß mittlerweile über eine Million Einwohner. Zwar gab es mehrere dieser Kuppeln, aber dennoch handelte es sich um eine logistische Meisterleistung, jedem Bewohner seine Stunde zukommen zu lassen. Es hieß, es gäbe Bestrebungen, die Zeit zwischen zwei Aufenthalten an der Oberfläche auf fünf oder sogar sechs Wochen zu verlängern, damit die Besucher in den Kuppeln etwas mehr Freiraum genießen konnten.
Sie traten aus dem Schatten des Aufzugganges. Das helle Licht blendete sie zuerst. Sie mußten ein Zeitfenster um die Mittagszeit erwischt haben, denn die gelbe Sonne stand beinahe im Zenit. Unten in den Höhlen liefen die Uhren nach einem strengen Tag-Nacht-Rhythmus, der mit der wirklichen Tageszeit, die an der Oberfläche herrschte, nichts zu tun hatte.
Sheeran blickte durch die Kuppel. Sie maß etwa hundert Meter im Durchmesser. Die meisten Menschen strömten in die Mitte. Dort gab es einen kleinen Teich, eine Gruppe von Bäumen und eine Reihe von Sitzbänken, die binnen Sekunden besetzt wurden. Er lächelte und spazierte stattdessen langsam einen Rundweg entlang, der am Rand der Kuppel entlangführte. Hier drängten sich weniger Menschen und es gab in regelmäßigen Abständen Fenster, durch die man auf die Oberfläche schauen konnte. Die Belüftung sorgte für einen stetigen, warmen Luftzug, so daß hier niemand überflüssige Kleidung trug und die Sonnenstrahlen ihre belebende Wirkung auf der Haut entfalten konnten.
Er

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