About this Story
Ein alternder Schauspieler erhaelt die Rolle seines Lebens in einer TV-Serie — doch die Figur, die er spielt, beginnt sein eigenes Leben zu uebernehmen. Eine Geschichte ueber Kunst, Identitaet und die Frage, wo die Rolle endet und der Mensch beginnt.
Chapter One
Das Drehbuch kam per Post, was heutzutage so ungewoehnlich war, dass Georg Linden es beinahe fuer Werbung gehalten und weggeworfen haette. Aber der Umschlag trug keinen Absender und war schwer — zu schwer fuer einen Flyer, zu leicht fuer ein Paket — und als er ihn oeffnete, fiel ein Manuskript heraus, auf dessen Titelseite in einfacher Schrift stand: DER LETZTE VORHANG. Darunter, handgeschrieben: Fuer Georg Linden. Es gibt keine andere Wahl.
Er las es an einem Nachmittag, in dem Sessel am Fenster, der einmal seiner Frau gehoert hatte, und er las es, ohne aufzustehen, ohne zu essen, ohne zu trinken, weil er nach der dritten Seite wusste, dass dies die beste Rolle war, die er je gelesen hatte, und nach der dreissigsten Seite wusste, dass es die letzte sein wuerde. Die Figur — ein alternder Arzt, der in einem kleinen Dorf lebt und Geheimnisse huetet, die schwerer wiegen als seine Jahre — war so nah an seinem eigenen Leben, dass es wehtat. Nicht die Details, nicht die Fakten, aber das Wesen. Wer immer das geschrieben hatte, kannte ihn. Oder kannte etwas, das ihm so aehnlich war, dass der Unterschied keine Rolle spielte.
Am naechsten Tag rief er die Nummer an, die auf der letzten Seite stand, und eine Stimme, die er nicht kannte, sagte: "Wir drehen in vier Wochen. In einem Dorf, das Sie kennen. Sagen Sie ja, Herr Linden. Sie wissen, dass Sie ja sagen werden." Und Georg wusste es.Er wusste es mit der Sicherheit eines Schauspielers, der seine Rolle erkennt, nicht weil sie geschrieben wurde, sondern weil sie immer schon da war, und nur darauf gewartet hatte, gespielt zu werden.

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