Die Witze In Der Pause
Es war zunächst um nichts Bestimmtes gegangen.
Livs Freundeskreis — Hanna, Bo, Mara, Liv selbst — hatte Anfang September einen kleinen laufenden Witz über ein Mädchen aus ihrem Jahrgang aufgenommen, das Esin hieß. Der Witz war, dass Esin komisch lief. Der Witz war, dass Esins Tasche immer zu groß für sie war. Der Witz war, dass Esin in der Pause allein saß.
Liv konnte sich im Rückblick nicht erinnern, wer angefangen hatte. Vielleicht Bo. Bo war die Witzigste; Bos Witze waren scharf; die Gruppe drehte sich um Bo. Der Witz war kein Satz gewesen. Er war eine Reihe kleiner Dinge gewesen — ein Kichern, wenn Esin vorbeiging, eine bestimmte Art, ihren Namen zu sagen, ein Nachmachen davon, wie sie sich im Unterricht meldete. Die Sorte schwacher Spötterei, die sich, während man mitmacht, nicht nach etwas Ernstem anfühlt.
Liv hatte gelacht. Sie hatte gelacht, weil ihre Freunde gelacht hatten. Sie hatte gelacht, weil nicht zu lachen seltsam gewesen wäre. Sie hatte gelacht, weil Esin tatsächlich ein bisschen unbeholfen war und der Witz — sagte sie sich — irgendwie zuneigend war. Einfach eine Sache. Einfach eine Sache, die die Gruppe machte.
Der Witz war im Oktober schlimmer geworden.
Er war vom Pausen-Kichern in einen privaten Gruppenchat umgezogen, in dem Liv war. Der Gruppenchat hatte einen Namen, der technisch gesehen Esins Name war, modifiziert auf eine Art, die ausdrücklich