Kapitel 17 – Passend ist nicht gefragt
Der Umschlag ließ sich schlecht öffnen. Mara suchte den Brieföffner in der Schublade, fand drei Klebestifte und einen Schlüssel ohne Schild. Sie war seit Jahren für diese Schublade zuständig. Auf ihre Dienste als Vorhersagemodell hätte sie sich nicht verlassen.
Sie schnitt die obere Kante mit der Schere ab.
Der vorgesehene Beschluss trug das Zeichen des Gerichts, eine menschliche Unterschrift und die Namen, die Mara seit Monaten auf dieselbe Weise las: zuerst Linn, dann Saskia, dann sich selbst. Ihre persönliche Bereitschaft war noch zu erklären. Der Zustellbeleg allein genügte dafür nicht. Für einen Moment fand sie Halt in dieser vertrauten Reihenfolge.
Dann nahm sie das dritte Blatt heraus.
Die beigefügte Registerempfehlung führte Mara mit 93 Eignungspunkten. Die Konfidenz der Prognose betrug 97,4 Prozent. Unter dem Wert standen vertraute Gründe: neun Monate Sorge, gemeinsame Adresse, zuverlässig erfüllte Pflichten. Mara hatte manches davon selbst bei der Geschäftsstelle eingereicht. Es fühlte sich an, als hätte jemand ihre Küche vermessen und daraus abgeleitet, wer dort glücklich sein musste.
»Wo ist Linns Aussage?«
WÄG-3 prüfte den Beleg unter seinem Leser. »In dieser Empfehlung ist keine persönliche Erklärung von Linn Wendt enthalten.«
»Sie wurde gefragt.«
Mara erinnerte sich an das Gespräch beim Gericht, an Linn auf dem zu hohen Stuhl. Wie es ihr gehe. Ob
