Die-Blaue-Tuer
Zehn Jahre lang hatte Eleanor Thomas nur als Handschrift gekannt.
Begonnen hatte es aus Versehen, wie es die schönsten Dinge tun — ein Brief, für jemand anderen bestimmt, von einem müden Angestellten einer Literaturzeitschrift ins falsche Kuvert gesteckt, in ihrer Wohnung angekommen, an einen Fremden adressiert. Sie hätte ihn zurückschicken sollen. Stattdessen hatte sie ihn gelesen, drei Seiten eines Mannes, der sanft mit einem Gedicht stritt, das auch sie liebte, und sie hatte gedacht: *Das kann ich nicht unbeantwortet lassen.* Also hatte sie geantwortet. Und er hatte wieder geschrieben. Und irgendwie hatte ein Jahrzehnt sich um sie beide zugefaltet, zweihundert Briefe dick, ohne dass einer von ihnen je auch nur vorgeschlagen hätte, sich zu treffen.
Es gab Gründe, oder es hatte sie gegeben. Er wohnte im Norden, sie im Süden. Sie war verheiratet gewesen, kurz und schlecht, und er hatte eine Mutter durch eine lange Krankheit gepflegt, und die Jahre waren einfach immer weiter mit ihrem eigenen Wetter gekommen. Doch der wahrere Grund, den keiner von ihnen niederschrieb, war dieser: Die Briefe waren vollkommen. Auf dem Papier waren sie ihr bestes, mutigstes Ich, geistreich und uneilig und gütig. Sich zu treffen hieße, all das aufs Spiel zu setzen, an die ungeschickte Mechanik eines Gesichts.
In diesem Frühjahr hatte Eleanor beschlossen, nicht länger feige zu sein.
Sie hatte es