Was-Das-Meer-Behielt
Die Fähre kippte in der Zeit, die man braucht, um eine Tasse zu verschütten, und das Meer behielt fast alle.
Mara kam unter dem falschen Himmel hoch — schwarz, wo er grau hätte sein sollen, die Lichter der *Halvarsen* schon unter ihr verschwunden, Treibstoff auf ihren Lippen. Sie erinnerte sich nicht daran, sich fürs Schwimmen entschieden zu haben. Sie erinnerte sich nur an die Kälte, die keine Temperatur war, sondern eine Hand, und dann an die orange Gestalt zwanzig Meter entfernt auf der Dünung, halb aufgeblasen, sich langsam im Kreis drehend wie etwas Betäubtes.
Sie erreichte es so, wie Ertrinkende Dinge erreichen, mit dem letzten Rest einer Kraft, von der sie nicht gewusst hatte, dass sie sie verbrauchte. Sie bekam einen Arm über den Bordrand, dann ein Bein, dann war sie drin, würgte Salzwasser hervor, und in diesem Moment begriff sie, dass sie nicht allein war.
Ein Mann lag auf der anderen Seite des Floßes, die eine Hand weiß vor Anstrengung um die Rettungsleine geklammert, die andere um eine einzige durchsichtige Wasserflasche gelegt. Er war breit in den Schultern und grau im Gesicht, und er sah ihr beim Anbordkommen mit dem flachen, vorsichtigen Blick eines Tieres zu, das abwägt, ob das Neue eine Bedrohung ist.
„Sonst noch jemand?", brachte sie heraus.
„Nein." Seine Stimme war ruiniert. „Nur wir. Ich halte seit einer Stunde Ausschau. Niemand sonst ist hochgekommen."