Chapter

Simeon und Eisi

Dem Simeon Bäuwlin ist es genau gleich gegangen wie mir, als er nach langen Jahren auf seiner Flucht aus der argen Welt wieder einmal die Dorfstraße von Adelboden entlang schritt. Er mußte absitzen. Nicht aus Ärger über die Hotelpaläste und Grands Bazars, Afternoon-Teas und Ski-Teachers, welche das Dorf um seine Seele gebracht haben. An dem allem ging er merkwürdigerweise achtlos vorüber. Aber seinem mehr nach innen gerichteten Blick war, so wenig wie mir, der kleine zierliche Grabstein entgangen, der, von den übrigen ein wenig abgerückt, am Fuße des gewaltigen Ahorns bei der Kirche steht. Er trägt die Inschrift: «Peter Allenbach, 11. Oktober 1871 bis 11. April 1872. Auf Wiedersehn.» Was war denn da Besonderes dran? Solche Denkmäler stehen ja zu Hunderten auf den Friedhöfen herum. Nun, was dem Simeon zu Herzen ging, war die kurze Lebensdauer, welche dem hier begrabenen Menschenkind beschieden gewesen. Ein halbes Jahr, genau abgezählt, hatte dieses Peterleins Wallfahrt gedauert, dann hatte es seine Flügelchen wieder schwirren lassen und war im Blauen verschwunden wie ein Bienchen, nachdem es in der Blume genommen, was sie ihm bot. Ganz einfach Neid war es, was Herrn Simeon Bäuwlin das Herz bewegte. Er hatte nun schon bald ein halbes Jahrhundert die Herrlichkeit dieser Welt genossen und darüber das Fliegen vollständig verlernt. Statt seine Schwingen frisch zu regen, vermochte er

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