Der-Auftrag
Daniel verdiente seinen Lebensunterhalt damit, anderen Männern die richtigen Worte in den Mund zu legen — der einzige Beruf der Welt, fand er oft, in dem es ein Wettbewerbsvorteil war, ungeliebt zu sein.
Er schrieb Hochzeitsreden. Meistens Trauzeugen-Toasts — die panischen Brautführer, die drei Tage vorher bei ihm auftauchten, den Kopf voller Insiderwitze und ohne die leiseste Ahnung, wie man vor hundert Verwandten *Ich liebe diesen Trottel* sagt. Daniel sagte es für sie. Er war gut darin. Er konnte einen Saal voller Fremder zum Weinen bringen über einen Mann, den sie nie getroffen hatten, und sie über dem Dessert wieder zum Lachen bringen, ehe die Tränen trockneten. Der Trick, hatte er gelernt, war: Jede Liebesgeschichte ist dieselbe Geschichte, nur in einer anderen Küche erzählt. Man musste bloß die Küche finden.
Seine eigene Küche hatte in letzter Zeit eine Tasse im Spülbecken und ein Fenster, das auf eine Backsteinmauer ging. Darüber dachte er lieber nicht nach.
Die E-Mail kam an einem Dienstag, von einem Namen, den er nicht kannte, aus einer Hochzeitsagentur, die er kannte. *Toast benötigt, Empfang ca. 120 Gäste, herzlich, aber kurz, Braut wünscht Humor statt Pathos.* Standard. Fast hätte er mit seinem Honorarsatz geantwortet, ehe er zu den Namen des Paares scrollte.
Er las sie zweimal. Dann stand er auf, ging zum Fenster, sah die Backsteinmauer an, als hätte sie etwas