Einleitung
Physiologie des Geschmacks oder Transcendentalgastronomische Betrachtungen Mit Einleitung und Anmerkungen deutsch von Robert Habs. Leipzig Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. Die Feinschmeckerei ist nicht etwa eine Errungenschaft des neunzehnten Jahrhunderts wie die Philosophie des Unbewußten und die Zündhölzer utan svafvel och fosfor: sie ist uralt, so alt wie die Menschheit selbst. Eva war die erste Feinschmeckerin, Adam der erste Feinschmecker und die Erkenntnis des Guten und Bösen offenbar weiter nichts als die Erkenntnis dessen, was gut und was schlecht schmeckt. Urmutter Evens Leckersinn kostete der Menschheit, wie bekannt, das Paradies, es war daher nur consequent und nach der alten Regel Similia similibus curantur gehandelt, wenn ihre Nachkommen in der Feinschmeckerei selbst Ersatz suchten für das, was sie durch dieselbe verloren hatten, und ihren Scharfsinn an der Kochkunst übten. Auf diese Weise war die Feinschmeckerei der Anfang und der Hebel aller Cultur, ein Hebel, der sich niemals abnutzte und den Kain zur Erfindung des Rostbratens, den Thubalkain zur Erfindung des Kochtopfs führte, so daß Erzvater Noah schon »allerlei Speise« mit in die Arche nehmen konnte. Wie der Sündenfall schlug dann auch die Sündflut zum Vortheil der Feinschmeckerei aus: Noah bekam einen gründlichen Abscheu vor dem Wasser und führte den Weinbau ein, und von Schritt zu Schritt