Chapter

Der Moebelwagen

Der Möbelwagen kam um halb zehn am Morgen. Lena beobachtete ihn vom Rücksitz des Familienautos aus. Ihre Mutter saß am Steuer. Ihr Vater, der zwei Tage vorher hochgefahren war, wartete am Bordstein des neuen Hauses. Das neue Haus war älter als das alte. An einer Wand wuchs Efeu. Es sah für Lena aus wie die Sorte Haus, das schon seine eigenen Leute drin hatte und höflich Platz machte. Lena hatte den größten Teil des letzten Monats geweint. Sie hatte geweint, als sie ihrer besten Freundin Hanna auf Wiedersehen gesagt hatte. Sie hatte geweint, als sie ihr Zimmer eingepackt hatte. Sie hatte sehr leise geweint auf der langen Fahrt nach Norden. Heute, hatte sie beschlossen, würde sie nicht weinen. In dieser neuen Stadt war niemand, der sie weinen sehen konnte, und allein zu weinen war die schlimmste Art. Sie stieg aus dem Auto. Sie half, ihre Kartons in ihr neues Schlafzimmer zu tragen. Das Schlafzimmer ging zur Gasse hinaus. Die Gasse war schmal und von alten Hecken gesäumt. Auf der anderen Seite der Gasse stand ein anderes Haus — etwa so alt wie ihre Eltern, aus rotem Backstein, mit einem kleinen Garten. In einem Fenster im oberen Stock dieses Hauses war ein Gesicht. Ein Gesicht in Lenas Alter. Beobachtend. Das Gesicht zog sich nicht zurück, als Lena es sah. Das Gesicht sah einfach weiter. Ruhig. Neugierig, aber nicht unfreundlich. Lena starrte einen Moment zurück. Dann trug

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