Mimi Lynx
Einmal im Herbste, kurz vor Beginn des dritten Semesters, war er zu einem kleinen Souper geladen. Die Leute standen ihm fern. Er ging ohne Interesse hin, fast mit Bedauern. Wie immer kam er zu spät ... Damals lernte Heinrich Mimi Lynx kennen. Ihre Stirne war bleich wie Citroneis, ihre Brauen rund und dumm wie bei einem Baby. Ihre Augen, von einem wechselnden Braun-Grün, schimmerten unter müden breiten Lidern. Ebenso müde war die Unterlippe. Aber die Oberlippe und die viel zu starken Zähne lachten. Und um die kurze steile Mopsnase mit den heftig vibrierenden sinnlichen Flügeln spielte etwas wie Hohn. Das Haar war dicht, dunkelblond. Gewaltsam mit dem Kamme aus der Stirne nach dem Scheitel gezerrt, stand es halbmondförmig über den schmalen Schläfen und lastete mit einem dicken Knoten in dem sehr schlanken mädchenhaften Nacken. Ihre Bewegungen geschahen ruckweise, sie stiess die Arme aus den Schultergelenken heraus, die Hand gab sie breit wie eine Engländerin und grüsste dabei mit einem kurzen Zucken des Kopfes über der weichen und immer etwas herausfordernd gehobenen Büste. Die Arme kreuzte sie gerne, und ihre Füsse in den ausgeschnittenen Lackschuhen erinnerten wieder an ein Baby. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt, drei Jahre verheiratet und hatte ein kleines Mäderl, das ihr gar nicht ähnlich sah und dem sie immer wie einem ganz merkwürdigen, nicht sehr appetitlichen Dinge