Das-Lampenlied
Sie führten sie die Terrassen hinauf zu einem Haus aus dunklem Holz, wo eine Flamme in einer Steinschale brannte, die, wie sie erfahren sollte, seit Menschengedenken nicht erloschen war.
Ihr Name für die alte Frau war Sevenu — Hüterin der Lampe, letzte einer Reihe von Hüterinnen und die Einzige im Tal, die noch das ganze Lied in sich trug. Die anderen sprachen die Sprache so mühelos wie Atmen, doch sie war ihnen im Mund verrutscht, wie alles Lebendige verrutscht; Sevenu war es, die die alten Formen hielt, die tiefe Grammatik, eben jene Gestalten, die Yara aus vierhundert Jahren Stille zusammengesetzt hatte. Bei ihr zu sitzen hieß, einer Bibliothek gegenüberzusitzen, die sich selbst Tee einschenken konnte.
„Du hast über uns geschrieben", sagte Sevenu, ohne zu fragen. „Weit fort. Auf dem toten Ton."
„Ich habe *über* euch geschrieben", sagte Yara. „Ich dachte, ich schriebe über Geister." Sie musste innehalten. Elf Jahre sorgfältiger, einsamer Rekonstruktion — jede Vermutung über einen Vokal, jede Fußnote, die sie gegen Gelehrte verteidigt hatte, die sagten, die Sprache sei unwiederbringlich — und hier war sie, warm, fließend, und erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen. „Warum ein Name? Warum auf *mich* warten?"
Sevenu fütterte die Flamme mit einem Splitter Harz. „Weil eine Zunge ohne jemanden, der sie hört, nur halb lebt. Wir sind viele, und wir sprechen, doch jenseits der