Die Schwelle
Die Kopernikus brauchte achtzehn Tage, um die Quelle des Signals zu erreichen. Achtzehn Tage, in denen die Crew zwischen Aufregung und Paranoia schwankte und in denen Maren begann, Dinge zu sehen, die nicht da waren — Schatten am Rand ihres Blickfelds, Reflexionen in den Fenstern, die nicht ihr eigenes Gesicht zeigten, sondern das einer Frau, die ihr ähnelte und doch anders war, älter, ruhiger, mit Augen, die Dinge gesehen hatten, die Maren sich nicht vorstellen konnte.
Am achtzehnten Tag erschien der Planet auf ihren Sensoren, wo vorher nichts gewesen war. Er war erdgroß, bläulich, mit einer Atmosphäre, die theoretisch atembar war, und er umkreiste keinen Stern — er stand einfach da, im leeren Raum, leuchtend aus eigener Kraft, als brauche er keine Sonne, um zu existieren. Die Instrumente lieferten Daten, die keinen Sinn ergaben. Die Temperaturen waren zu gleichmäßig, die Atmosphäre zu stabil, die Oberfläche zu symmetrisch.
Kapitän Rashid traf die Entscheidung, die ihn entweder zum berühmtesten oder zum verrücktesten Kommandanten der Raumfahrtgeschichte machen würde: Er ordnete die Landung an. Als das Shuttle in die Atmosphäre eintauchte, verstummte das Signal, und an seine Stelle trat eine Stille, die dichter war als jede Stille, die Maren je erlebt hatte — die Stille eines Wesens, das den Atem anhält, weil der Moment, auf den es gewartet hat, endlich gekommen ist.
