Chapter

Der-Nachlass-Des-Kartografen

Lissabon roch im Herbst 1893 nach gerösteten Kastanien und nach dem Fluss, und man hatte Beatriz Coelho ausgeschickt, die Karten eines Toten zu ordnen. Sie war vierundzwanzig, die jüngste Kraft im Torre do Tombo, und die Arbeit war ihr zugefallen, weil kein Älterer sie wollte: Der Kartograf Anselmo Vaz war ohne Erben gestorben und hatte seinen gesamten Nachlass dem Nationalarchiv vermacht, und ein Nachlass aus Karten ist ein langweiliges Erbe. Zwei Wochen lang hatte sie allein in seinem verriegelten Haus an der Calçada do Combro gearbeitet, zwischen Zeichentischen und Kupferplatten und dem trockenen Papiergeruch von tausend gerollten Karten, hatte jede nummeriert, ihren Maßstab notiert, sie mit Leinenband verschnürt. Es war geduldige, staublose, einsame Arbeit, und sie hatte den Toten beinahe liebgewonnen für die Schönheit seiner Hand. Vaz hatte in seinen sechzig Jahren das ganze Königreich kartiert — die Terrassen des Douro, die Salzgärten der Algarve, jede Windung des Tejo —, und sein Lissabon war das feinste, das sie je gesehen hatte, Straße um Straße gezeichnet mit der Liebe eines Zeichners. Sie kannte die Stadt auswendig, war drei Gassen von ihrem Platz entfernt geboren, und so spürte sie es sofort, als etwas nicht stimmte: eine Karte, fast zuunterst in seiner letzten Truhe, die eine Straße zeigte, die sie nie gegangen war. Sie zweigte von der Rua da Bica ab, wo es nach

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