Was-Der-Maestro-Bewahrte
Sie kam am Fest Christi Himmelfahrt in den verschlossenen Raum, als die ganze Insel zur Messe ging und die Öfen den geringsten Lehrlingen überlassen wurden, und Lucia, die sich freiwillig gemeldet hatte, die Feuer zu hüten, schloss sich mit einem Schlüssel ein, dessen Abdruck sie eine Woche zuvor in ein Stück Seife gepresst hatte.
Es waren nun neun Spiegel. Sie hingen in zwei weichen Reihen, und der Raum war erfüllt von dem schwachen Klang, den sie zuvor eher gefühlt als gehört hatte — ein tiefes, geschichtetes Atmen, neun langsame Gezeiten außer Takt, der Raum selbst schien sich zu heben und zu senken. Lucia ging die Reihen mit ihrer Kerze ab, und in jedem getrübten Oval, kurz bevor das Glas sich klärte, glaubte sie ein Gesicht zu sehen. Nicht ihr eigenes. Ein anderes in jedem: eine alte Frau, ein junger Mann, ein Kind mit einer Lücke in den Zähnen. Sie tauchten im Atemdunst auf wie Schwimmer, die nach Luft an die Oberfläche kommen, und sanken wieder, ehe sie sicher sein konnte, und da begriff sie, ganz und endgültig, was ihr Meister fertigte, wenn ihn niemand für Spiegel bezahlte.
"Du hast den wahren Handel der Werkstatt gefunden", sagte Orsini von der Tür her.
Er war nicht zornig. Das war das Schlimmste daran. Er trat ein, stellte seinen Stock ab und blickte die Reihen atmenden Glases entlang, mit der schlichten Zärtlichkeit eines Mannes, der sein Lebenswerk betrachtet,
