Chapter

Über die Natur

Liegt nicht bei den meisten die Vorstellung von dem, was sie sich unter dem Worte Natur denken sollen, überhaupt ganz im dunkeln? – Ich habe oftmals schon behauptet, es sei ein wahres Unglück für die Mehrzahl der Völker Europas, daß nicht ein jegliches anstatt des Wortes Natur ein eigentümliches, in eigener Sprache gebildetes bedeutendes Wort besitze, um jenes offenbare Geheimnis damit zu bezeichnen. – Gewiß, man glaubt nicht, was so ein fremdartiger, selten seiner ursprünglichen Bedeutung nach verstandener und doch von Kindheit auf gehörter Klang beiträgt, uns von einem Gegenstande zu entfremden! – Wollte man auf den Grund gehen, man würde vielleicht Menschen genug finden, die am Ende mit dem Wort Natur nichts anders verbänden, als die Vorstellung der weiblichen Bildsäule mit den unzähligen Brüsten, wie sie ihnen die Bilderbücher ihrer Kindheit gezeigt hatten! – Dem würde gewiß nicht so sein, wenn das, was wir natura nach seiner Ableitung von nascor, ich entstehe, nennen und als das im Göttlichen und durch Göttliches rastlos Entstehende, Vergehende und wieder Entstehende anerkennen, in jeder Sprache durch ein eigentümlich gebildetes Wort sich bezeichnet fände! – Die deutsche Sprache, deren innerer philosophischer Sinn und schöne Bildsamkeit sich um so deutlicher hervorhebt, je mehr man in ihre Ramifikationen eindringt, würde hier am wenigsten einer schicklichen Wortbildung

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