Der-Dritte-Speicherplatz
Das Kind erschien, wie ein angehaltener Atem endlich entweicht — es kam nicht herein, es war einfach plötzlich da, saß im Schneidersitz ihr gegenüber auf dem kalten Boden, als hätte es immer schon dort gesessen und Wren hätte es nur eben erst bemerken dürfen.
Der Hüter, so nannte ihn das Handbuch auf einer Seite, die Wren überflogen und verworfen hatte: *der Schöpfer der Feste, der jede Tür und jedes Ungeheuer setzt.* Sie hatte sich etwas Gewaltiges vorgestellt. Das hier war ein kleiner Mensch mit ernsten Augen und einem Reif, der für seinen Kopf zu groß war — die Art Krone, die ein Kind zeichnet, das nie eine echte gesehen hat.
"Du verschiebst die Abgründe", sagte Wren. Es war kein Vorwurf. Mit Vorwürfen hatte sie am vierten Tag aufgehört.
"Nur, damit du nicht fällst." Der Hüter sah auf seine eigenen Hände. "Ich darf das nicht. Die Regeln sagen, der Dungeon entscheidet. Aber die anderen verlieren immer so schnell, oder sie hören auf, und dann bin nur noch ich da mit den Fackeln." Er blickte auf. "Du bist elf Stockwerke geblieben. Niemand bleibt elf Stockwerke."
Und Wren, die ihr ganzes Überleben darauf gebaut hatte, Systeme genau so zu lesen, wie sie geschrieben standen, las endlich jenes, auf das es ankam. Die Widersprüche waren kein schlechtes Design. Sie waren ein einsames Kind, das die Würfel zinkte, damit der einzige Mensch, der je zurücksprach, nicht verschwand. Der