Der Durchlass Bei Kilometer Sieben
Die B81 überquert die Mulch bei Kilometer sieben auf einem Betonbauwerk aus dem Jahr 1962, das die Landstraßenbehörde als Brücke führt, obwohl es korrekter als Durchlass zu bezeichnen wäre. Eine Brücke trägt eine Straße über ein Wasser. Ein Durchlass zwingt ein Wasser durch ein Rohr, damit die Straße darüber ungestört verlaufen kann. Die Mulch wird bei Kilometer sieben durch ein Rohr gezwungen, und das Rohr hat, seit seiner Errichtung, eine Sohle, die knapp einen Meter unter dem ursprünglichen Flussbett liegt. Das ist eine kleine Zahl und eine große Geschichte.
Eine Sohlabsenkung von einem Meter bedeutet, dass der Fluss unterhalb des Durchlasses — auf den nächsten zwei Kilometern, wo er sich seinen alten Spiegel wieder zurückholen muss — in einer Schlucht läuft, die er sich selbst gegraben hat, weil ihm am Auslauf des Betonrohrs nichts übrig blieb. Diese Schlucht ist, wenn man hineinsteigt, erstaunlich schön. Die Sandsteinflanken sind freigespült, die Ufer tragen eine für diesen Naturraum atypische Farnflora, und in einem feuchten September stehen dort auf einem Quadratmeter dreißig Pflanzenarten, die ein Botaniker aus Halle für uns einmal listen hat lassen. Die Schlucht ist eine Folge des Durchlasses. Sie ist auch eine ökologische Nische, die es ohne den Durchlass nicht gäbe. Diese Art von Widerspruch macht unsere Arbeit anstrengend und, wenn man sie zulässt, ehrlich.
Für