Die Erste Zaehlung
Im späten Februar, wenn das Eis an den Uferweiden noch nicht ganz weg ist, aber die Mulch unter dem Eis schon schneller geht als vor zwei Wochen, fahren wir zum ersten Mal hinaus. Len sitzt am Steuer des alten Hilux, ich habe den Laptop auf den Knien und lese mir die Empfängerfrequenzen ein, die wir im November an die letzten vierzehn Fische vergeben haben. Ein paar davon sind, nach aller Erfahrung, tot. Ein paar sind, mit etwas Glück, schon wieder hoch im Oberlauf. Die meisten schweigen zwischen den Steinen des Mittellaufs und warten darauf, dass das Wasser ihnen sagt, was sie tun sollen.
Wir nennen das die erste Zählung, obwohl nichts gezählt wird. Wir fahren ab, Kilometer für Kilometer, und horchen den Antennen zu. Der Empfänger ist ein kleiner graugrüner Kasten mit einem Lautsprecher, der klingt wie eine schlafende Küche — ein regelmäßiges, kaum hörbares Ticken, und wenn ein Fisch in Reichweite kommt, wird das Ticken schneller, höher, dringlicher, bis es schließlich eine Kadenz hat, die man nicht mehr überhört. Len hat sich in den ersten Jahren Kopfhörer umgebunden, aber es ist besser, wenn beide es hören. Es gibt Frequenzen, die sind zu leise, um sie zu suchen; man muss sie finden, bevor man weiß, dass man sie sucht.
Ich bin Ökologin. Ich habe in Greifswald studiert und in Potsdam promoviert, ich habe, das ist die ehrliche Antwort, diesen Beruf gewählt, weil ich unruhig