Chapter

Die-Kueste-Die-Auf-Keiner-Karte-Steht

Mara hatte jede Küste gezeichnet, die ihr Königreich besaß, und ein paar, die es nicht besaß, und sie hatte noch nie einer Küste getraut, die sie nicht zweimal ablaufen konnte. Diese hier verübelte sie deshalb aus Prinzip. Sie tauchte, so schworen die Fischer, jeden Herbst für eine einzige Nacht auf — ein Streifen schwarzen Kiesels und ein Leuchtturm, der auf keiner Karte stand, in keiner Vermessung, in keiner Erinnerung außer ihrer. Eine Karte war das Versprechen, dass ein Ort morgen noch da sein würde. Dieser Ort gab kein solches Versprechen, und sie war trotzdem gekommen, mit ihrer Öltuchtasche und ihrer guten Messingfeder, um seine Behauptung zu widerlegen. Die Flut in jener Nacht zog sich weiter zurück, als Fluten es sollten. Wo bei Einbruch der Dunkelheit nur Wasser gewesen war, rollte sich ein Strand im Dunkeln aus wie ein angehaltener Atem, den man endlich loslässt, und an seinem Ende brannte der Turm mit einem Licht, das nicht ganz die Farbe von Feuer hatte. Mara ging das neue Ufer ab und zählte ihre Schritte, denn Zählen war ihre Art zu lieben, und der Salzgeruch war falsch — süßer, mit etwas darunter wie aufgeschnittene Äpfel und kalter Stein. Als sie die Tür am Fuß des Turms erreichte, hatte sie einundneunzig Schritte einer Küste, die es nach jedem Gesetz, an das sie glaubte, nicht geben durfte. Der Mann, der öffnete, entzündete gerade einen zweiten Docht und

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