Chapter

Erstes Kapitel

In einer milden Mitsommernacht zu Beginn der Achtzigerjahre stand ein altes Sofa in Sorgen. Es war ein hochlehniges grünes Ripssofa, das dem Uhrmacher Ambros Schwerengang gehörte, und stand deshalb in Sorgen, weil es am nächsten Morgen gepfändet werden sollte. Auf seinem Rücken schlief ein Knabe seinen tiefen Knabenschlaf; er hatte die Nase fest im Polster und wußte nicht, was Sorge und was Pfändung sei. Er merkte auch nicht, daß ein alter Freund durchs offene Fenster stieg: der große Mond kam aus der Leibenfrostgasse herauf und machte sich im Zimmer breit. Der große Mond hatte erst unten im Arm der Kleinen Donau zu tun gehabt, wo er den wurlenden Wellen auf den Grund sah, bis sie silberhältig weiterzogen. Dann war er die Heiligenstädter Lände hinaufgeklommen, über uralte Strandterrassen nach Döbling aufgestiegen, über Stiegen zur Blindenanstalt gegangen, wo ihm niemand entgegensah, und hatte sich endlich in die steile Leibenfrostgasse gelegt, von wo er breit durchs Fenster steigen konnte. Das Zimmer lag in der Hauptstraße, quer zur Leibenfrostgasse, und lag »unterisch«, das ist tiefer als die ebene Erde. Weshalb der Mond hinab mußte, über ein paar Stufen, um den Raum zu sehen, der Zimmer und Geschäft zugleich war. Sooft der Mond in den Laden herabkam, hörte er ein Geräusch vom Hin und Her der luftdurchschneidenden Pendel, ein Atmen, Schlagen, ein Geticke und Gewippe. Die Uhren

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