Eine Nicht Genehmigte Zeremonie
Am Freitag nach dem Besuch vom Gesundheitsamt sagte Gertrud Wirschinger zu mir, beim Holzstapel, ohne Vorwarnung: „Margit, da hinten bei den Ziegen, da ist was."
„Was heißt *was*?", fragte ich.
„Ein Kranz", sagte sie. „Aus Stoffstreifen. An der Eiche."
Ich ging hinunter, Olaf hinter mir her. Die Eiche stand auf meinem Grundstück, das war sie schon lange, aber ihre untere Asthöhe war über den Zaun in die Wiese der Nachbarn gewachsen, und seit Jahren war es zwischen Gertrud und mir eine stillschweigende Vereinbarung, dass die Äste dort hingen, wo sie wollten, solange ich versprach, dass das Nachbarschaftsverhältnis dort hing, wo ich es wollte.
An einem der unteren Äste hingen sieben oder acht lange Stoffstreifen in verschiedenen Farben, wie ich sie aus Fotos von tibetischen Gebetsfahnen kannte, nur dass hier keine Gebete draufstanden, sondern Namen. Gertrud stand daneben und las sie vor, weil sie sie schon gelesen hatte.
„Mags", las sie. „Dann *Hilde*. Dann *Olaf*. Dann *Gertrud*." Sie hielt inne. „Ich stehe auf einem Stoffband, Margit. Das wollte ich nicht."
„Wer hat dir gesagt, dass du drauf stehst?"
„Niemand. Steht drauf."
Wir sahen die Bänder an. Es waren dreizehn. Das zwölfte trug den Namen *Klaus*.
Ich griff an die Eiche, um mich zu halten, weil ich einen Moment brauchte. Ich habe in den letzten neun Monaten mehrere Male etwas gesehen, das den Namen meines Mannes
