Das Gruendungsformular
Celeste hatte mir per E-Mail einen Anhang geschickt, der ein Dokument der Amtsgerichtsbezirks Aschaffenburg war und in seiner Überschrift das Wort *Vereinsregisteranmeldung* trug. Ich las das Wort siebenmal, in der Hoffnung, dass es sich auflöst, wenn man es anstarrt. Es löste sich nicht auf. Deutsche Bürokratie hat, unter anderem, die Eigenschaft, dass sie dem Anstarren widersteht.
„Warum schickst du mir das?", schrieb ich zurück.
„Damit wir die Einnahmen sauber abwickeln können", schrieb Celeste.
„Welche Einnahmen?", schrieb ich.
Es kam eine lange Antwort zurück, die ich zweimal las und dann ausdruckte, weil meine Bildschirmgewohnheiten dafür nicht reichten. Die Antwort lautete, in ihrer Essenz: Seit dem viralen Essay waren auf meinem Substack 37.000 Euro eingegangen, weil die Plattform automatisch eine bezahlte Option anbot, die ich nicht aktiviert hatte, aber auch nicht deaktiviert hatte, weil ich nicht wusste, dass sie existierte. Menschen hatten monatliche Zahlungen von acht Euro eingerichtet. Einige hatten einmalige Beträge gegeben, einer davon einen sehr großen, der aus Zürich kam und mit der Notiz versehen war: *Danke.* Das war, sagte Celeste, grundsätzlich kein Problem, nur brauchte man eine Rechtsform, sonst zahle ich das als Einkommen, und das seien am Ende, nach Abzug der Krankenkasse und des Solis und der Kirchensteuer, die ich seit 1989 nicht mehr zahle, aber